Die Werra ist weiträumig über die Ufer getreten und hat die Aue überflutet

Seenplatte rund um Wanfried

Inselleben: Auf dem letzten bisschen Grün am Rande der überfluteten Wiesen weidet das einsame Pferd. Foto: Sagawe

Eschwege. Einsam und verlassen steht das Pferd auf den wenigen Quadratmetern Wiese in der Nähe des landwirtschaftlichen Anwesens bei Aue, die noch nicht vom Hochwasser bedeckt sind.

Gleich nebenan wird die Wasserburg ihrem Namen gerecht. Die Fluten umspülen das alte Gemäuer inzwischen von allen Seiten.

Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen stehen zum Teil unter Wasser. Die Straßenverbindung zwischen dem Wanfrieder Stadtteil Aue und dem Meinharder Ortsteil Frieda ist gesperrt. Die Brücke ist wegen des Hochwassers unpassierbar geworden. Die Gärtnerei gleich neben der Straße wirbt auf einem großen Schild für Schnittblumen - Anbauflächen dafür stehen längst unter Wasser.

Die gesamte Auenlandschaft zwischen Eschwege und Wanfried entlang der Bundesstraße 249 steht unter Wasser. Kurz hinter Frieda ist die Werra inzwischen soweit über die Ufer getreten, dass die Bundesstraße auf einer Strecke von einhundert Metern unter Wasser steht. Der Fahrzeugverkehr wird über die parallel verlaufende Landesstraße umgeleitet. Wer zwischen Wanfried und Eschwege unterwegs ist, muss die schmale und kurvenreiche Ausweichstrecke benutzen.

Von den Wegweisern der Radwege, die entlang der Straßen auf niedrigerem Niveau verlaufenden, sind zum Teil nur noch die Spitzen zu sehen. Eine Schutzhütte für Wanderer und Radler schaut nur noch zur Hälfte aus der braunen Brühe. Das Kleingartengelände bei Wanfried ist von der Umgebung abgeschnitten. Die Anbauflächen sind längst in den Fluten verschwunden. Die Hobbygärtner erreichen ihre Hütten nicht mehr. Ganz schlimm hat es wieder einmal den historischen Wanfrieder Hafen getroffen.

Zu Wänden aufgetürmte Sandsäcke sollen das Schlimmste verhindern. Nichtsdestotrotz bahnen sich die Wassermassen ihren Weg. Die zur Dekoration aufgebauten Schiffe scheinen auf der Seenplatte zu treiben. Vom Radlerkunstwerk ragt nur noch der obere Teil aus dem Wasser. Bei Völkershausen erreichen die Fluten die Grenzen der Auenlandschaft. Die Ortsdurchfahrt ist an einer Stelle bereits halbseitig überschwemmt. Die Grundstücke am werraseitigen Dorfrand grenzen jetzt direkt an den Fluss.

„Alles noch im Rahmen“, meldet Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld aus der hessisch-thüringischen Grenzgemeinde. Die Straße in das benachbarte Lauchröden musste gesperrt werden, die Werrawiesen stehen unter Wasser. Einige Wochenendhäuser seien vollgelaufen, berichtet Scheld. Die Feuerwehr der Gemeinde ist in Alarmbereitschaft, musste aber noch nicht ausrücken. Scheld: „Eine akute Gefährdung gibt es nicht.“

Ähnlich entspannt ist die Lage in Wehretal. Die Wehre und ihre Nebenflüsse führen mehr Wasser als üblich, sind aber nicht über die Ufer getreten.

Von Harald Sagawe

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