Problem ist bereits bekannt

"Schlimmer Zustand": Sehbehinderter beklagt den Zustand des Eschweger Stadtbahnhofs

Vorsicht, Scherben: Rainer Gebauer ist durch seine Erblindung auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Am Eschweger Stadtbahnhof sind ihm einige Mängel aufgefallen – diese Informations-Stele sei bereits seit vergangenem Jahr defekt. Fotos:  Faust

Eschwege. Der sehbehinderte Rainer Gebauer aus Frieda ist mehrmals pro Woche auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Er kritisiert den Zustand des Eschweger Stadtbahnhofs. Die Stadt kennt das Problem, kann im Moment aber nicht handeln.

Rainer Gebauer aus Frieda fährt drei- bis viermal in der Woche mit dem Bus und mindestens zweimal mit dem Cantus. Seit 18 Jahren ist der 56-jährige Frührentner blind. Gerade so kann er hell und dunkel unterscheiden. Durch seine Behinderung ist Gebauer auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Damit er sich an Plätzen wie dem Eschweger Stadtbahnhof zurechtfindet, sind behindertengerechte Vorrichtungen wie automatische Sprachansagen wichtig. „Einige davon befinden sich in einem miserablen Zustand“, beklagt Gebauer. Die Stadt Eschwege als Betreiberin des Bahnhofes kennt das Problem, kann im Moment aber nicht handeln.

Gefährliche Angelegenheit

Gebauer sagt: „Ich habe den Eindruck, dass sich hier nicht mehr richtig gekümmert wird.“ Er steht vor einem Automaten, der Hilfsbedürftigen normalerweise Ankunfts- und Abfahrtszeiten sowie die entsprechenden Buslinien anzeigt und - für Blinde bedeutsam - per Lautsprecheransage durchgibt. Bei nur einem falschen Handgriff aber greifen Ortsunkundige derzeit in einen Scherbenhaufen: Die Scheibe des Automaten ist herausgeschlagen, nachlesen kann man hier nichts mehr. Schon seit dem vergangenen Juni sei das so.

Ein paar Meter weiter: An Bussteig 2 steht wie an jeder Haltestelle ein identischer Automat. Hier ist die Scheibe intakt, allerdings schweigt die Sprachanlage.

Problem ist bekannt

Laut Gebauer habe er die Mängel schon mehrfach telefonisch bei der Stadt durchgegeben. Geändert habe sich aber noch nichts.

Das Problem der eingeschlagenen Scheibe ist der Stadt Eschwege bereits bekannt. Nach Rücksprache mit der Verwaltung teilt Bürgermeister Alexander Heppe mit: „Wir kennen das Problem. Personell können wir eine ausreichende Begehung gemäß der Betreiberverantwortung aktuell nicht gewährleisten.“ Derzeit reagiere man nur auf Zuruf, weshalb man von der kaputten Sprachanlage an Steig 2 noch nichts mitbekommen habe.

Komplette Anlage muss umgerüstet werden

Wenn Hygiene zum Hindernis wird: Auf der Schwerbehindertentoilette fehlen unter anderem Papiertücher.

Dass die Stele bislang nicht repariert wurde, hat mehrere Gründe: „Es sind keine Ersatzteile mehr für dieses System verfügbar, so dass alle Stelen auf ein neues System umgerüstet werden müssen. Die Kosten hierfür lägen schätzungsweise im fünfstelligen Bereich“, heißt es aus dem Rathaus. Weil der aktuelle Haushalt noch nicht genehmigt sei, könne man im Moment keine Firma für die Reparatur beauftragen.

Auch auf den schlechten Zustand der Schwerbehindertentoilette weist Gebauer hin. Es fehle an allgemeiner Hygiene und Papiertüchern - zudem funktioniere die Lüftung nicht. Die Verantwortlichen sind nach eigener Aussage auf der Suche nach einer für alle Beteiligten annehmbaren Lösung. Aktuell sei eine externe Reinigungsfirma für die Pflege der Schwerbehindertentoilette verantwortlich. Man versuche, die Situation zu verbessern.

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