Manfred Herud hat mit 19 Jahren Taxiunternehmen gegründet und arbeitet noch gern

Seit 50 Jahren im Geschäft

Unternehmer mit Leib und Seele: Die IHK hat Manfred Herud mit einer Ehrenurkunde an das Jubiläum erinnert. Am Anfang wurden die Fahrten noch von zu Hause koordiniert. Einen Schub bekam das Geschäft 1981 durch die eigene Taxi-Zentrale. Foto: Stück

Eschwege. An seine längste Fahrt erinnert sich Manfred Herud schnell - auch wenn sie einen unschönen Hintergrund hatte. Als in Deutschland Abtreibungen noch gesetzlich verboten waren, brachte er eine Kundin nach Holland, die dort den Schwangerschaftsabbruch vornahm. Die Frau wurde fast zur Stammkundin. Die gleiche Fahrt unternahm Herud einige Monate später nocheinmal mit ihr. In 50 Jahren als Taxiunternehmer hat Manfred Herud viel erlebt.

Angefangen hat der Geschäftsmann 1963 mit 19 Jahren und einem Auto. Heute ist der Taxiunternehmer 69 und hat elf Autos laufen. Seit 50 Jahren gibt es Taxi Herud in Eschwege. Jahr für Jahr ist das Unternehmen gewachsen. Heute beschäftigt Manfred Herud 20 Angestellte. In dem halben Jahrhundert hat sich viel verändert. Als Herud Anfang der 1960er Jahre ins kalte Wasser sprang, gab es eine große Konkurrenz in Eschwege. Fast ein Dutzend Mietwagen-Anbieter gab es damals.

„Man merkt schnell, wer reden möchte und wer lieber seine Ruhe hat.“

Selbst sein Schwiegervater, dessen Tochter er im Jahr seiner Geschäftsgründung heiratete, war in der gleichen Branche tätig. Manfred Herud hatte sich aber mit einem SB-Waschsalon ein zweites Standbein aufgebaut. Eine Existenz zu gründen war in dieser Zeit für einen 19-Jährigen überhaupt nicht einfach. Manfred Herud war noch nicht volljährig. „Ich musste mich damals geschäftsfähig schreiben lassen“, erinnert er sich an die spannenden Zeit der Unternehmensgründung.

Mit einem Ford fing alles an. „Heute fahren wir ausschließlich Mercedes“, sagt Herud nicht ohne Stolz. Fünf Fahrer sind festangestellt, 15 Aushilfen decken die Spitzen ab. Freitag und Samstag sind die stärksten Tage im Taxigeschäft. „Dann könnten wir noch mehr Fahrer und Autos haben“, sagt Herud. An den anderen Tagen ist es dafür ruhiger. Unter der Woche sind die Krankenfahrten das Hauptgeschäft. Zur Dialyse oder zur Bestrahlung nach Göttingen und Kassel werden diejenigen gefahren, die in solchen Momenten selbst kein Auto steuern dürfen. Von den Krankenkassen musste Taxi Herud dafür erst die Genehmigung einholen. „Auf den langen Fahrten kommt man mit den Gästen ins Gespräch“, erzählt Manfred Herud. Zu den Stammkunden haben sich auch enge Beziehungen entwickelt. „Man merkt aber schnell, wer reden möchte und wer lieber seine Ruhe hat“, sagt Manfred Herud.

Heute fährt der Jubilar nur noch tagsüber. Die Nachtfahrten hat er vor zwei Jahren eingestellt. Oft musste er sich mit Betrunkenen abgeben, die sich in den Wagen übergaben oder nach einer durchzechten Nacht kein Geld mehr für die Fahrt hatten. „Trotzdem hat mir die Arbeit immer Spaß gemacht“, sagt Herud, der sich bei seinen Kunden für die langjährige Treue bedankt.

Von Tobias Stück

Kommentare