Zusammenschluss nach 666 Jahren

Altstädter und Neustädter Kirchengemeinde seit zehn Jahren vereint

Eschwege. 666 Jahre haben die Altstädter und die Neustädter Kirchengemeinde - trotz der diabolisch behafteten Zahl - prima nebeneinander harmoniert. 2006 wurden die beiden Gemeinde im Herzen der Stadt zu einer Stadtkirchengemeinde zusammengelegt.

„Ziel der Zusammenlegung war, die kirchliche Arbeit in der Kernstadt zu stärken“, sagt Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost. Der Entschluss der Fusion liegt jetzt zehn Jahre zurück und wird am Wochenende gefeiert.

Die Wahrzeichen der Stadtkirchengemeinde: Die Neustädter Kirche St. Katharina (links) stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Marktkirche St. Dionys (rechts) blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Fotos: WR

Zahlenmäßig ist die Stadtkirchengemeinde nun die größte evangelische Kirchengemeinde in Eschwege und im Kirchenkreis. Zu ihrem Schatz gehören die beiden Eschweger Hauptkirchen: die Marktkirche St. Dionys mit ihrer über 1000-jährigen Geschichte und die Neustädter Kirche St. Katharina aus dem 14. Jahrhundert.

Für die Zusammenlegung sprachen auch wirtschaftliche Gründe. Im Jahr 2007 wurde der erste gemeinsame Kirchenvorstand gewählt. Mit der Pensionierung von Pfarrer Heinrich Mihr und der Reduzierung der Pfarrstelle auf eine halbe wurden die Pfarrbezirke neu geordnet. Die Aufgaben verteilen sich jetzt auf 2,5 Pfarrstellen. Die halbe Pfarrstelle hält seit vier Jahren von Pfarrerin Daniela Plazack-Brack und beinhaltet den Schwerpunkt Seniorenarbeit und die Betreuung der drei Altenheime.

Ein wichtiges Anliegen ist, beide Kirchen zu erhalten und zu nutzen. So werden in beiden Kirchen regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Es finden Konzert und Musikalische Vespern, Ausstellungen und Veranstaltungen des Evangelischen Forums statt. Außerdem sind beide Kirchen täglich für Besucher geöffnet.

Trotz zurückgehender Kirchensteuereinnahmen wurden das Pfarrhaus in der Rosengasse und das Gemeindehaus grundlegend renoviert und energetisch verbessert. Das Pfarrhaus in der Hubertusstraße wurde verkauft. Die Sanierung der Südfassade der Neustädter Kirche ist im Gang. Für die Innenrenovierung wurden im vergangenen Jahr sehr erfolgreich Spendengesammelt. In der Marktkirche wurde die Fürstengruft für Besucher zugänglich gemacht und die kunsthistorisch wertvollen Särge vor dem Verfall bewahrt.

Die Stadtkirchengemeinde ist Trägerin zweier großer Kindertagesstätten. „Zusammen mit der Stadt Eschwege wurde das Betreuungsangebot in beiden Einrichtungen deutlich ausgebaut“, sagt Repp-Jost. Außerdem gibt es ein starkes Engagement für die Flüchtlingsarbeit, das in Zukunft noch ausgebaut werden soll.

 Von Tobias Stück

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