Klage gegen Altersobergrenze für Vorstandswahlen abgewiesen

Senioren haben in Kirche nichts zu sagen

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Kassel. Die Evangelische Kirche darf über 70-Jährige weiterhin von einer Kandidatur für den Kirchenvorstand ausschließen. Das Gericht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat am Mittwoch eine Klage von fünf ehemaligen Kirchenvorstandsmitgliedern aus Vellmar gegen die Altersgrenze abgewiesen. Die Höchstaltersgrenze sei rechtlich nicht zu beanstanden, urteilten die Kirchenrichter.

Die fünf über 70-jährigen Kläger aus der Johannesgemeinde in Vellmar fühlten sich dadurch diskriminiert, dass sie wegen ihres Alters nicht mehr für den Kirchenvorstand kandidieren durften. Sie sehen die Altersgrenze als einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung und das Gebot der Menschenwürde. Das Landeskirchengericht wies die Klage in erster Linie aus formellen Gründen als unzulässig ab: Die Kläger hätten das Ergebnis der Vorstandswahlen, die am 29. September stattfanden, anfechten müssen. Unabhängig davon habe die Landessynode (das Kirchenparlament) aber das Recht dazu, in ihrer Grundordnung das passive Wahlrecht auf 70 Jahre zu begrenzen.

 Die staatlichen Rechtsgrundsätze der Verfassung seien für die Kirchen in ihren internen Angelegenheiten nicht verpflichtend, heißt es weiter in der Urteilsbegründung. Über eine Änderung der Altersgrenze, betonten die Kirchenrichter, dürfe allein die Landessynode entscheiden. Die hatte Anträge zur Abschaffung der Altersgrenze immer wieder abgelehnt – zuletzt war die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit aber nur knapp verfehlt worden. Dass es auch anders geht, zeigt der Blick über die Grenzen der EKKW: Nur sechs der 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland haben Altershöchstgrenzen für den Kirchenvorstand. Auch in der Katholischen Kirche gibt es keine derartige Beschränkung.

Von Katja Rudolph

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