Politik der Alten

Senioren übernehmen die etablierten Parteien

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Werra-Meißner. Ein immenses Nachwuchsproblem haben die etablierten Parteien im Werra-Meißner-Kreis. Die Mehrzahl der Mitglieder von SPD, CDU und FDP sind 60 Jahre und älter. Das zeigt eine aktuelle Erhebung unserer Zeitung.

In der größten Partei des Landkreises, der SPD, sind 57 Prozent der Genossen älter als 60 Jahre. Ein ähnliches Verhältnis weist die CDU auf: Bei den Christdemokraten sind es 54 Prozent.

Die Gefahr eines Generationenkonflikts sieht die Politikwissenschaftlerin Bettina Munimus. „Für die Demokratie ist diese Entwicklung schädlich. Die junge Generation ist nicht vertreten, wenn über ihre Zukunft bestimmt wird.“ 2012 promovierte sie zu dem Thema an der Universität Kassel. Die Altersverschiebung habe eine Agendaverschiebung zur Folge, in der die Themen der Jungen zu kurz kommen, so die 34-Jährige. „Es kann gefährlich sein, wenn ausschließlich über Rente und Seniorencafés diskutiert wird und die Themen der Jüngeren außen vor bleiben.“

Die Gefahr sehen auch die Kreisparteispitzen von CDU und SPD. Als Grund für den Nachwuchsmangel sieht SPD-Unterbezirksvorsitzende Karina Fissmann die verstärkte Mobilität der Jungen. „Die Jugend ist keineswegs unpolitisch“, sagt die 27-Jährige. Die Jungen engagierten sich durchaus, „bloß nicht in festgefahrenen Strukturen mit Sitzungen und Parteisatzungen, sondern lieber punktuell.“ Oft seien Bürgerinitiativen und Aktivistengruppen wie Greenpeace attraktiver. Von „verkrusteten, konservativen Strukturen“ spricht ihre Parteifreundin Rabea Weisa, die 26-jährige Parlamentsvorsitzende in Neu-Eichenberg.

Laut dem CDU-Kreisvorsitzenden Frank Hix halte auch eine tendenzielle Zufriedenheit die Jugendlichen vom politischen Engagement ab. „Teils herrscht scheinbar der Glaube: In unserer Welt gibt es kaum Mangel, kaum Grund für Wut im Bauch. Ein Trugschluss.“

Von Jan Schumann

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