Nachbarn merkten nichts – erst Wasserschaden brachte Gewissheit

Seniorin lag 18 Monate tot in ihrer Wohnung

Lohfelden. Ein trauriger Fall eines wohl sehr einsamen Menschen ist jetzt bekannt geworden: Eine 87-jährige Frau aus Lohfelden lag vermutlich etwa eineinhalb Jahre tot in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Lohfelden. Das bestätigte Polizeisprecher Jürgen Wolf auf Anfrage.

Von den über zehn Nachbarn, die ebenfalls in dem Fachwerkhaus in der Straße Am Hofe leben, hatte offenbar niemand die Seniorin vermisst.

Nach Angaben von Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel, Leiter des Kommissariats 11 im Polizeipräsidium Nordhessen, war es Ende November zu einem Wasserschaden in dem Haus gekommen. Nachdem vermutet worden war, der Schaden könne seine Ursache in der Wohnung der Seniorin haben und die Frau auf mehrfaches Klingeln nicht reagierte, habe der Vermieter einen Schlüsseldienst beauftragt und die Wohnung geöffnet.

 Dort habe man die Leiche der toten Frau im Bett entdeckt. Es habe in der Wohnung, die von innen verschlossen gewesen sei, keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen gegeben. Auch habe die Obduktion der Knochen keine Anzeichen auf eine Gewalteinwirkung gegeben. Die Kripo geht davon aus, dass es sich bei der Toten um die 87-jährige Mieterin der Wohnung handelt. „Die Identifikation mit Hilfe eines DNA-Abgleichs ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Wetzel.

Es komme immer wieder vor, dass Leichen über Monate unentdeckt in Wohnungen liegen, aber solch einen langen Zeitraum sei ihm bislang nicht bekannt gewesen, so der erfahrene Ermittler. Nach dem Tod der Frau müsse es in dem Haus auch eine „vorübergehende starke Geruchsentwicklung“ gegeben haben. Rente und Miete seien per Dauerauftrag auf dem Konto der Frau ein- und abgegangen. Die Post habe der Briefträger auf ein Fensterbrett gestapelt, nachdem der Kasten voll gewesen sei.

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