Versehrtensportler und Skiclub-Ehrenmitglied Robert Polzer aus Eschwege feiert heute 90. Geburtstag

Skifahrer trotz Beinprothese

Sportlich aktiv: Trotz Beinprothese war Robert Polzer bis ins hohe Alter aktiver Sportler. Als Übungsleiter bildete er lange Jahre den Sportnachwuchs beim Skiclub Meißner aus und bis zum Alter von 83 Jahren fuhr er noch aktiv Ski. Foto: W. Skupio

Eschwege. Heute feiert Robert Polzer, leidenschaftlicher Wintersportler und Ehrenmitglied des Ski-Clubs Meißner seinen 90. Geburtstag. Das Skifahren erlernte er schon früh, schließlich war das über 1400 Meter hohe Altvatergebirge nur 60 Kilometer von seinem Heimatort Bärn im Sudetenland entfernt.

Als Soldat in Russland verlor Polzer dann 1943 drei Tage nach seinem 20. Geburtstag den rechten Unterschenkel. „Wir waren mit 60 Leuten auf Stoßtrupp und bereits auf dem Rückweg zu unseren Linien. Plötzlich gerieten wir unter Granatwerferfeuer. Ob ich auf eine Mine getreten bin, oder ob mich ein Granatsplitter erwischt hat, ist bis heute nicht klar“, erinnert sich Polzer. Zwei gute Freunde hätten ihn dann aus der Gefahrenzone getragen.

"Ich habe damals gedacht, für mich sei das Leben nun vorbei, das war es aber nicht“, sagt der 90-Jährige. Weil Polzers Vater von russischen Soldaten verschleppt wurde und sein Bruder vermisst blieb, stand der damals 22-Jährige Kriegsversehrte voll in der Verantwortung, sich um Mutter und die erst 15-jährige Schwester Hilma zu kümmern, als 1946 der Befehl zur Zwangsaussiedlung der Sudetendeutschen kam.

Die Polzers verschlug es nach Vierbach und Robert Polzer fand Arbeit bei L.S. Brinkmann Strickwaren. „Dort sind ehemalige Soldaten sehr gut behandelt worden. Ich hatte ja wegen des Krieges nichts gelernt und wurde dort auf die schnellste Art zum Kaufmännischen Angestellten ausgebildet“, erinnert sich Polzer.

Dem Sport ist er aber trotz Beinamputation treu geblieben. „Ich habe versucht, das Beste aus meinem Leben zu machen, Bewegung aber ist Leben“, sagt er. Mehrere Male legte er das Sportabzeichen in Gold ab, im Oktober 1957 trat er dem Skiclub Meißner bei. Dort gilt er als Urvater der Leichtathletikabteilung. Er war Übungsleiter und rief eine Sportgruppe für Coronakranke ins Leben. Dem Skifahren aber ist er bis ins hohe Alter treu geblieben.

Noch mit 83 Jahren fuhr Polzer mit Beinprothese Ski. An seinem heutigen Ehrentag gehören neben den ehemaligen Skisport-Kameraden die zwei Söhne und zwei Enkel zu den Gratulanten.

Von Wolfram Skupio

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