Das Oberhoner Laientheater glänzt mit einer Bühnenversion von Zeugin der Anklage

Ein spannender Mordspaß

Sir Wilfrid /Heiko Alsleben) fühlt den Mordverdächtigen (Matthias Schäfer) auf den Zahn. Foto: Pujiula

Eschwege. Das überfüllte Dachbodentheater in Oberhone als Gerichtssaal. Vorn in der ersten Reihe saßen die Geschworenen, und als der Gerichtsdienen („very british würdevoll: Henning Schäfer) beim Eintreten des Lord-Richters (Sven Lang) das Publikum aufforderte, aufzustehen, wusste man, dass eine spannende Gerichtsverhandlung folgen würde.

Und es war wirklich spannend, denn es wurde Agatha Christies „Zeugin der Anklage“ gespielt - in einer für die räumlichen und personellen Verhältnisse des Oberhones Theaters angepassten, von Henning Schäfer mit glücklicher Hand neu geschriebenen Version des Krimiklassikers, einer Version, die sich stark an die berühmte Verfilmung von Billy Wilder anlehnt.

Die Geschichte ist bekannt. Der smarte Leonard Vole (Matthias Schäfer, der auch Regie führte) wird des Mordes an seine reiche Gönnerin Emily French angeklagt. Ein Fall für den berühmten Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts (Heiko Alsleben). Der Fall wird in einer reichen an Überraschungen Gerichtsverhandlung behandelt, bei der die eiskalte Christine (Susann Schäfer), die Frau des Angeklagten, eine zwielichtige Rolle spielt. Soweit die (wohl den meisten Zuschauern bekannte) Handlung, die mit einem Paukenschlag endet.

Ein mitreißender Abend. Mit seiner Regie hatte Matthias Schäfer für Tempo gesorgt. Und die Darsteller glänzten mit einer für eine Laientruppe starken, homogenen Leistung. Heiko Alsleben als mürrischer, leidenschaftlich engagierter Staranwalt war umwerfend gut, genauso wie Nicole Wolf in der Rolle des Miss Plimsoll, die bemutterrnde bis nerventörtende Pflegerin des gesundheitlich angeschlagenen Sir Wilfrid.

Einen starken Eindruck machte auch Bernd Püschel als Staatsanwalt Myers. Fanny Schäfer als Janet McKenzie, die Haushälterin der Ermordeten, gestaltete ihre Zeugenaussage mit publikumswirksamer Komik. Und das junge Paar Matthias und Susann Schäfer gefielen in ihren zentralen Rollen. Und noch eine Schäfer war mit dabei: Johanna, der eine männliche Rolle Übernahm - die des ermittelnden Inspektors Hearne.

Ein köstlicher, mit langem Schlussapplaus für das ganze Ensemble bedachter Abend, der am nächsten Freitag und Samstag nochmals wiederholt wird - immer um 19.30 im Dachbodentheater.

Von Francisco Pujiula

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