Studenten in Wohnungsnot: Standorte in die Provinz verlegen

SPD: Universität auf dem Eschweger Woelm-Gelände

Eschwege. Mit Beginn des Wintersemesters nimmt die Wohnungsknappheit an den nahen Universitätsstandorten Göttingen und Kassel zu. Freier Wohnraum ist kaum verfügbar und teuer. In Eschwege stehen Wohnungen leer. Grund genug für Andreas Hölzel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft (FWG) in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung, an die gemeinsame Initiative von FWG und CDU zu erinnern: Studenten, insbesondere aus Göttingen, soll das Wohnen in der Kreisstadt schmackhaft gemacht werden.

Einen Schritt weiter geht SPD-Fraktionschef Alexander Feiertag. Der Stadtverordnete will nicht nur die Studenten zum Wohnen nach Eschwege holen, sondern die Studienplätze gleich dazu: „Im Sinne einer positiven und nachhaltigen Strukturpolitik ist stattdessen ein Hochschulstandort Eschwege zu fordern.“ Und als Campus schlägt der Sozialdemokrat das Gelände des früheren Pharma-Unternehmens Woelm vor.

„Wir müssen bei den Studenten noch viel mehr für das Angebot werben“, fordert Hölzel. Allein die gute, schnelle und kostenlose Zugverbindung sei Argument genug.

Erste Göttinger Studenten seien bereits nach Eschwege umgezogen, weiß Ulrich Türk von der Wohnstadt zu berichten. Das Unternehmen beteiligt sich in Zusammenarbeit mit der Stadt an dem Projekt. 17 Wohnungen im Schützengraben und 50 auf dem Heuberg - beide Quartiere liegen in fußläufiger Erreichbarkeit zum Stadtbahnhof - stehen für den Sofortbezug zur Verfügung.

Die Wohnstadt hat inzwischen zwei Drei-Zimmer-Wohnungen zu einer Zwei- und einer Vier-Zimmer-Wohnung umgebaut, um zu testen, ob diese Zuschnitte von Studenten zum Alleinbewohnen beziehungsweise als Wohngemeinschaft akzeptiert werden. „Gerne bauen wir auch eine Küche ein, wenn das gewünscht wird“, wirbt Türk.

Für Eschwege bei Göttinger Studenten werben

„Grundsätzlich halten wir es für problematisch, wenn Hochschulen eine derartige Größe erreichen, dass der Wohnbedarf am Ort nicht mehr befriedigt werden kann - von anderen Problemen ganz abgesehen“, sagt Eschweges SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Feiertag. Er wirbt dafür, „stattdessen lieber nachhaltige Strukturpolitik voranzutreiben“ und meint damit, in Eschwege einen Universitätsstandort zu etablieren. Zuständig, derartige wesentliche Entwicklungsimpulse für Nordhessen zu setzen, sei die Hessische Landesregierung. Und in dem seit Jahren ungenutzten Areal des früheren Pharma-Unternehmens Woelm sieht Feiertag ein geeignetes Gelände. Der Campus wäre „innenstadtnah, in zentraler Lage und mit Bahnhofsanbindung“.

Im Bemühen von Stadt und Wohnstadt, Göttinger Studenten für das Wohnen in Eschwege zu begeistern, sieht Feiertag eine „gute Idee“, die auch dazu führen könne, „dass sich im Einzelfall Synergien temporär“ ergeben. „An das grundsätzliche Modell glauben wir aber nicht per se.“ Dazu seien die Distanz und die Fahrzeit doch zu groß. Darüber hinaus bestehe das studentische Leben nicht nur aus Seminarbesuchen.

Für FWG-Fraktionschef Andreas Hölzel steckt weit mehr dahinter - auch und vor allem, weil „den Studenten sofort geholfen wäre und die leer stehenden Wohnungen ebenfalls sofort neue Mieter bekämen“. Mitinitiator Stefan Schneider (CDU) hält das Angebot nach wie vor „für ein gutes Projekt“. Schneider: „Es war aber klar, dass es eine gewisse Anlaufzeit benötigt.“ Die Wohnstadt, die in Eschwege zahlreiche leer stehende Räumlichkeiten in Bahnhofsnähe vermieten möchte, will jetzt nach Angaben ihres Sprechers Ulrich Türk ganz gezielt bei Studenten in Göttingen für das Angebot werben.

Von Harald Sagawe

Rubriklistenbild: © Sagawe

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