Händler beklagen Einbußen, schlechte Organisation und Zeitverzögerungen am Markt

Splitt nur ein geringer Trost

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EP-Sättler-Geschäftsinhaber Gerald Munk vor der Baustellenabsperrung, die für einen Großteil seiner Kundschaft tatsächlich unüberwindbare Barrieren darstellt und davon abhält, in seinen Laden zu kommen.

Eschwege. Den Händlern am Markt steht der Dreck bis zum Hals - und das seit mittlerweile sieben Monaten. Die Großbaustelle zur Umgestaltung des Marktplatzes kostet die Geschäftsleute aber nicht nur eine Menge Nerven, um den Baulärm zu ertragen und die nicht enden wollenden Putzarbeiten zu bewältigen.

Viel schlimmer machen ihnen die Einbußen bei den Einnahmen zu schaffen. Mit einer Resolution sind sie jetzt an die Stadt herangetreten, um den Marktplatz zumindest für das Weihnachtsgeschäft in einen begeh- und vor allem befahrbaren Zustand zu setzen.

Die Stadt reagierte prompt mit der Auffüllung der Baustelle durch Basaltsplitt. Nur ein kleiner Trost für die Händler, die befürchten, dass dieses eingeforderte Entgegenkommen der Stadt viel zu spät für das Weihnachtsgeschäft kommt. Der Unmut über schlechte Organisation, ständig neu hinzukommende Zeitverzögerungen und die Skepsis über das Eintreten des gewünschten Effekts bleiben.

„Die enormen Einbußen, die wir dieses Jahr verzeichnen mussten, können wir nicht mehr einholen - ein Geschäft wie unseres steht und fällt mit einer guten Parkplatzsituation“, beklagt Gerald Munk von EP-Sättler sich, dass nicht nur Kunden, sondern auch Lieferanten nicht mehr bis zu seinem Geschäft vorfahren können. „Ich habe bis jetzt noch keinen Einzigen getroffen, der der Umgestaltung des Marktplatzes positiv gegenübersteht“, kritisiert Karl Gleim, Geschäftsführer vom Reisebüro am Markt, die Kosten-Nutzen-Relation des Umbaus. Auch Uta Häcker, Inhaberin Kids Fashion, hadert extrem mit der Baustelle: „Ich musste im Februar die Ware für Weihnachten einkaufen, hätte ich gewusst, dass sich die Baustelle derart in die Länge zieht, hätte ich vorsichtiger kalkuliert bei meinen Bestellungen.“

„Die Baustellen an den Anlagen, am Nikolaiturm und bei der Alexander-von-Humboldt-Schule - die Menschen wussten in diesem Jahr ja gar nicht mehr, wie sie in die Innenstadt kommen und wo sie parken können“, empört sich Claudia Henke. Sie sieht in dem Platz, der einer Hindernisbahn gleicht, eine Gefahr vor allem für ältere Menschen. „Letzte Woche musste der Krankenwagen kommen, weil ein Mann gestürzt ist“, berichtet die Geschäftsinhaberin verärgert darüber, dass bei der Planung offensichtlich nicht berücksichtigt wurde, dass Eschwege eine Rentnerstadt ist. „Mir haben schon viele sehbehinderte Kunden gesagt, dass sie mit Bordsteinkanten sehr viel besser zurechtkommen als mit Regenrinnen, die sich farblich kaum vom Pflaster unterscheiden“, weiß Optiker Hubert Bartsch zu berichten, der in der Einebnung der Baustelle so kurz vor Weihnachten eher eine weitere Zeitverzögerung als eine Chance sieht, Einbußen mit dem Weihnachtsgeschäft wieder wettzumachen.

Von Gudrun Skupio

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