Trotz verschärfter Gesetzeslage: Zahl der Ein-Euro-Jobber im Kreis ist kaum rückläufig

Sprungbrett in den Job

+

Werra-Meißner. In einigen nordhessischen Kommunen hat das Modell der sogenannten Ein-Euro-Jobs ausgedient. So werden sie in den Städten des Landkreises Hersfeld-Rotenburg beispielsweise kaum noch eingesetzt.

Ute Wagner

Im Werra-Meißner-Kreis sieht das anders aus. Warum das so ist, erläutern Ute Wagner, Geschäftsführerin des Jobcenters Werra-Meißner, und Manuela Zimmermann, Koordinatorin für Ein-Euro-Jobs im Kreis.

Durch das „Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungs-chancen am Arbeitsmarkt“ gelten schon seit etwa einem Jahr strengere Anforderungen an die Einsatzstellen von solchen Arbeitsgelegenheiten (AGH) und bei der Auswahl der Teilnehmer. Die Arbeiten müssen nun zusätzlich, von öffentlichem Interesse und wettbewerbsneutral sein. In Hersfeld-Rotenburg führte das dazu, dass alle Ein-Euro-Stellen über den Kreis bei den Städten und Gemeinden beendet wurden. Ein-Euro-Jobber waren zuvor zum Beispiel bei den Bauhöfen für Grünpflegearbeiten oder die Abfallbeseitigung eingesetzt.

Manuela Zimmermann

Solche AGH, die den Regelbetrieb eines Bauhofs betreffen und in direkter Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt stehen, habe es im Werra-Meißner-Kreis von Anfang an nicht gegeben, betonen Ute Wagner und Manuela Zimmermann. Deshalb sei auch kein Einbruch bei den Ein-Euro-Jobs zu verzeichnen, sondern nur ein leichter Rückgang. 2012 gab es 400 Ein-Euro-Jobber, 2013 werden 300 erwartet. Dies sei aber keine Folge der verschärften gesetzlichen Vorgabe. „Wir haben in diesem Jahr längere Projekte und ein knapperes Budget für Eingliederungsmaßnahmen“, sagt Ute Wagner. Insgesamt sei der Fördertopf um 18 Prozent geschrumpft.

Der Anteil der Ein-Euro-Jobber, die bei den Kommunen eingesetzt sind, ist vergleichsweise gering. Zehn bis 15 waren es durchschnittlich in den vergangenen drei Jahren. Eingesetzt waren sie in Kindergärten und bei Bauhöfen „innerhalb von gemeinnützigen Projekten, die sonst nicht zu realisieren gewesen wären“, so Manuela Zimmermann. Zum Beispiel sei mit Kita-Kindern ein Hochbeet angelegt und Marmelade gekocht worden. Auch der für die Öffentlichkeit frei zugängliche Barfußpfad auf dem Meißner wurde mithilfe von Ein-Euro-Jobbern gebaut. Am häufigsten werden AGH in sozialen Einrichtungen und in gemeinnützigen Vereinen angeboten, zum Beispiel bei der Tafel, in Museen und im Arbeitskreis Open Flair.

Manuela Zimmermann überprüft regelmäßig bei den Projektträgern, ob die Ein-Euro-Jobber auch so eingesetzt werden, wie es abgestimmt war. An der Projektplanung sind IHK und Handwerkskammer im Vorfeld beteiligt. „Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit, sodass keine Konkurrenz zur Wirtschaft entsteht“, sagt Ute Wagner. „Wir sehen die AGH als Sprungbrett zurück in ein geregeltes Berufsleben. Der Ein-Euro-Job bietet dafür einen sicheren Rahmen.“

Wie viele Ein-Euro-Jobber tatsächlich den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen, ist statistisch aber nicht belegt. „Oft sind noch andere Qualifizierungsmaßnahmen zwischengeschaltet“, sagt Manuela Zimmermann. „Aber ich denke, wir haben eine ganz gute Quote.“ Kommentar, Hintergrund

Von Kathrin Bretzler

Kommentare