Vortrag des Eschweger Geschichtsvereins

Auf der Spur der alten Gasthäuser

Experte für Bier: Jürgen Beck sammelt die Geschichte der Gasthäuser. Foto: Weber

Eschwege. Im Vortrag vor dem Eschweger Geschichtsverein erkundeten Dr. Karl Kollmann und Jürgen Beck die Stadt Eschwege diesmal auf den Spuren ihrer Gastronomiebetriebe. Ein Thema, das auf große Resonanz stieß. Vor allem, da sich die Zuhörer im Saal des Goldenen Engels hinter den Scheuern bei einem Bier versammeln konnten.

Jürgen Beck ist, was das Bier betrifft, ein ausgemachter Experte, war er doch 30 Jahre lang bei der Andreas Klosterbrauerei in Eschwege tätig und hat nebenbei Material über die Geschichte von bis zu 200 Eschweger Gasthäusern gesammelt - über die ehemaligen wie über die bis heute existierenden Lokale.

Zur Einführung erzählte er zunächst Wissenswertes über das Bier. So brauten im Mittelalter bereits die Mönche des Augustinerklosters Bier, um die Fastenzeit zu überstehen. Und zwar an dem Ort, an dem sich seit 1875 die Klosterbrauerei befindet.

In der frühen Neuzeit waren Gasthäuser, in denen neben dem Bierausschank Essen und Übernachtung angeboten wurde, in Eschwege eher dünn gesäht. Es waren oft Nebenerwerbsbetriebe. Die Wirte beherbergten durchreisende Fuhrleute und hatten nebenbei einen Handwerksbetrieb wie eine Schmiede oder eine Sattlerei angeschlossen. Auch einen Förster gab es unter den Gastwirten.

Bier wurde oft privat gebraut. „So gab es 1792 in den drei städtischen Brauhäusern insgesamt 372 Brauberechtigte, die für den eigenen Hausgebrauch brauen durften“, erklärte Jürgen Beck. 1820 wurde das Volksbraurecht dann allerdings eingeschränkt, und nur noch sechs Gastwirte bekamen zunächst das Braurecht, für das sie hohe Steuern zahlen mussten.

Doch wer Alkohol konsumieren wollte, wusste, wo er ihn bekommen konnte. Karl Kollmann fand Notizen über nächtliche Trinker, die unerlaubterweise im Bierkeller des Hochzeitshauses zechten. Oder die sich mit Branntwein aus der Apotheke so sehr in Stimmung brachten, dass sie anschließend „auf der Gasse krischen und die Nachbarschaft beunruhigten.“

Geschichten über die Eschweger Gasthäuser hat Jürgen Beck viele zu erzählen, etwa über den alten Stadtpark mit seinem prunkvollen Saal oder über den Lemp’schen Felsenkeller an der Reichensächser Straße. Diese Gaststätte wurde 1834 mit einem tiefen in den Felsen gehauenen Bierkeller angelegt, um den Gerstensaft auch möglichst kühl lagern zu können.

Unter wechselnden Besitzern war das Gasthaus ein vielbesuchtes Lokal. Die Zuhörer im Goldenen Engel nickten zustimmend, denn auch sie hatten noch viele Erinnerungen an das Gasthaus, das 1968 der Verbreiterung der Reichensächser Straße weichen musste. Eine Fortsetzung des Vortrags ist geplant, denn Jürgen Beck hat noch viel mehr Material in seinem Archiv.

Von Kristin Weber

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