Der Eschweger Nils Schmöckel ist einer der jüngsten Busfahrer in ganz Hessen

Das Steuer fest in der Hand

Hat keine Angst vor großen Gefährten: Nils Schmöckel aus Eschwege steuert bei Frölich-Reisen in Obermelsungen die Busse im Linienverkehr. Der 18-Jährige ist einer der jüngsten Busfahrer in ganz Hessen. Fotos: Brandau

Melsungen/Eschwege. Der Polizist hat es nicht glauben wollen, dass der Junge, der sich da neulich am Melsunger Parkplatz Am Sand hinters Steuer des Linienbusses klemmte, tatsächlich dessen Fahrer sein sollte. Der Beamte habe seine Papiere intensiv geprüft – und sie ihm dann mit einem ungläubigen Kopfschütteln zurückgegeben, berichtet Nils Schmöckel mit einem Grinsen.

Der Eschweger gewöhnt sich langsam an solche Begegnungen, bei denen er Fragen hört wie „Na junger Mann, dürfen Sie denn überhaupt schon fahren?“ oder „Ach du liebes bisschen, wie alt sind Sie denn?“

Nils Schmöckel ist gerade mal 18 Jahre alt und sieht auch keinen Tag älter aus. Deshalb kann man den Menschen ihr Staunen beim allerbesten Willen nicht verdenken, denn immerhin sprechen sie mit einem der jüngsten Busfahrer in ganz Hessen.

Der Eschweger absolviert seine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb bei Frölich-Reisen in Obermelsungen. Für Schmöckel geht damit ein Traum in Erfüllung: Schon als Schulkind habe er gewusst, dass er einmal Busfahrer werden wolle, sagt er. „Ich lerne viel über Technik, komme rum und habe viel mit Menschen zu tun“, sagt der junge Eschweger.

Hohe Motivation

Mit einer entsprechend hohen Motivation ging er auch ans Praktikum heran, das er mit 16 Jahren ebenfalls bei Frölich-Reisen leistete. So motiviert, dass er schon damals einfach in einen Bus stieg, der auf dem Firmenhof stand, und mit ihm zum Tanken hatte fahren wollen – der Chef sah’s und staunte: Angst vor großen Gefährten hatte Nils Schmöckel tatsächlich noch nie.

„Er ist ein echter Goldjunge“, sagt der Obermelsunger Betriebsleiter Dirk Roglin und lobt den Einsatzwillen und die Talente des jungen Eschwegers. Gleich ob es ums Verständnis der Fahrzeugtechnik oder ums Fahren selbst gehe: „Das ist ein Auszubildender wie aus dem Bilderbuch.“

Schmöckel nimmt das Lob gelassen hin, so schnell scheint den 18-Jährigen nichts aus der Ruhe zu bringen. Nur im September, als er seine erste Fahrt mit Passagieren hatte, da sei er schon ein bisschen aufgeregt gewesen, gibt er zu.

Fahrt nach Paris

Die Länge seiner Fahrten ist noch überschaubar: Die nächsten drei Jahre, also bis zu seinem 21. Geburtstag, fährt er nur Strecken, die im Umkreis von 53 Kilometern von Obermelsungen liegen.

Nils Schmöckel geht seinen beruflichen Weg sehr zielorientiert. Nach der Ausbildung, das steht schon jetzt fest, wird er bei Frölich-Reisen in Obermelsungen bleiben. Alles sei super.

Super sind vor allem auch die Aussichten aufs nächste Frühjahr: Wenn sein Schützling die Gesellenfahrt bestanden habe, sagt Betriebsleiter Dirk Roglin, werde er bald eine Fahrt nach Paris organisieren: Auf dessen Straßen könne der junge Mann dann hinterm Steuer eines 14 Meter langen Busses mit drei Achsen beweisen, ob er ein wirklich guter Fahrer sei. Schmöckel hört es und lächelt. Nicht einmal Paris bringt ihn aus der Ruhe.

Von Claudia Brandau

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