Stolle ist der Chef hinter der Bühne

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Crewchef René Schmidt, Markus Stolle und Künstlerbetreuerin Laura Landau kümmern sich mit knapp einhundert freiwilligen Helfern und 35 Technikern um den reibungslosen Ablauf auf den drei großen Bühnen auf dem Hauptgelände und am See. 

Eigentlich wollte sich Marcus Stolle nur eine Eintrittskarte verdienen, als er vor vierzehn Jahren im Vorfeld des Open Flair seine Mitarbeit anbot. Er durfte beim Aufbau und im Kleinkunstzelt helfen. Als Besucher hat er das Festival trotzdem nie besucht.

„Das könnte ich mir gar nicht vorstellen“, sagt der Mann, der von allen nur „Stolle“ genannt wird, seit jenem Tag im Sommer 1998 zum Team gehört und heute Chef der großen Bühnen ist.

Sein Arbeitsplatz ist an diesem Wochenende in erster Linie auf und hinter der Hauptbühne. „Wir stehen unter Hochspannung“, beschreibt er die Intensität, mit der das knapp hundertköpfige ehrenamtliche Team den Job angeht. Die Anspannung lässt erst spät in der Nacht nach, wenn die letzte Band die Bühne verlassen hat. Dann liegt ein Arbeitstag hinter Stolle, der gestern um 7.30 Uhr mit dem Aufbau des Hauptacts begonnen hat.

Die Beatsteaks waren am Samstag der Headliner. „Das ist eine Riesenproduktion“, erzählt Stolle, der seit drei Jahren hauptamtlich für das Flair arbeitet. Instrumente und Mikrofonstative werden platziert und auf das Bühnenbild abgestimmt. Am Vormittag läuft der Soundcheck. Anschließend wird das Equipment in den Hintergrund geschoben, nicht ohne die exakten Positionen für die abendliche Show der Berliner Punkrockband zu markieren. Persönlich mag der 30-Jährige lieber die etwas ruhigeren Töne. „Ich bin nicht so der Hardrocker“, sagt er. Madsen habe ihm am Freitag gut gefallen. Den begeisternden Auftritt hat er vom Bühnenhintergrund verfolgt - natürlich nicht die gesamte Show, das lässt die Arbeit nicht zu.

Sechzig Minuten bleiben in der Regel für den Bühnenumbau zwischen den Auftritten zweier Bands. Die Zeit reiche normalerweise aus. Schließlich sei nicht jede Produktion so groß wie die der Beatsteaks. Außerdem könne schon viel vorbereitet werden und müsse dann nur noch an die richtige Position geschoben werden. Das ändert aber nichts daran, dass es jede Menge zu tun gibt, bevor die Fans die nächste Show erleben können. Allein auf der Hauptbühne spielten gestern sechs Bands. Und zwischendurch müssen die großen und kleinen Probleme gelöst werden, die kein Mensch voraussehen kann. Bei einer Band ist der Gitarrist ausgefallen - es muss kurzfristig Ersatz gefunden werden. Das Netzwerk macht Schwierigkeiten - Stolle steht in engem Kontakt mit dem Computerfachmann. Die Wohnraumhelden wollten ihr 600 Kilogramm schweres Auto auf der Freibühne haben, die Rampenzufahrt ist zu eng, vielarmige Muskelkraft ist gefragt.

„Das funktioniert nur, weil sich meine rechte Hand Lizzy Winter an der Bühne ankettet“, weiß Stolle, dass er sich auf seine Mitarbeiterin verlassen kann, wenn seine Präsenz an anderer Stelle gefragt ist.

Künstlerbetreuerin Laura Landau ruft dem Boss der Bühnen zu, dass die Broilers jetzt eingetroffen seien. „Schön“ freut der sich, dass alles glatt läuft.

Von Harald Sagawe

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