Droge spaltet die Geister

Suchthilfe veranstaltet Cannabis-Fachtagung in Eschwege

Eschwege. Es ist eine Droge, an der sich die Geister scheiden: Cannabis. Noch illegal im nicht-medizinischen Bereich, fordern immer mehr Politiker die Legalisierung.

Was dafür und was dagegen spricht, soll auch im Werra-Meißner-Kreis auf einer Fachtagung in den Clubräumen der Eschweger Stadthalle am Mittwoch, 30. November diskutiert werden.

Eingeladen dazu hat die Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des diakonischen Werkes Eschwege/Witzenhausen. Zwischen 14 und 19 Uhr werden unter anderem die pharmakologischen Aspekte, die Konsequenzen für die Suchtberatung und Kontrollmodelle erörtert.

Die Wirkung

Cannabis wird oft als Joint geraucht, erklärt Harald Nolte, Fachstellenleiter. Dabei setze die Wirkung oft unmittelbar ein, weil der Wirkstoff sehr schnell über die Atemwege aufgenommen werde. „Cannabis hebt die Stimmung, die Konsumenten haben ein Gefühl der Entspannung und des Wohlbefindens.“ Neben dieser als angenehm empfundenen Wirkung gibt es aber auch unangenehme: So könne es zu Panikreaktionen vor allem bei denjenigen kommen, die bislang noch nie oder selten mit der Droge in Kontakt gekommen sind.

Die Folgen

Auf kurze Sicht sei Cannabis nicht gefährlicher als Alkohol, sind sich Nolte und seine Kollegin Jennifer Thomas einig. „Während Alkohol, der legal ist, auch körperlich abhängig macht, ist es bei Cannabis eher psychisch.“ Auf lange Sicht sei jedoch erwiesen, dass sich der frühe Einstieg in den Drogenkonsum negativ auf die Denkleistung auswirkt, auch Psychosen können auftreten. „Und da Cannabis meist im Tabak geraucht wird, kommen noch die gesundheitsgefährdeden Begleiterscheinungen hinzu.“

Die rechtliche Lage

Cannabis (je nachdem, was von der Hanf-Pflanze konsumiert wird, auch Marihuana, Gras oder Haschisch) ist in Deutschland die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Bereits Ende März des vergangenen Jahres brachten die Grünen den Entwurf eines Cannabis-Kontrollgesetzes in den Bundestag ein, das Volljährigen einen Zugang zu Cannabis in regulierten Mengen ermöglichen soll – unter anderem mit der Begründung, dass die Verbotstaktik nicht gewirkt habe. Am Anfang noch stark kritisiert, mehren sich die Stimmen, der Legalisierung zuzustimmen, so etwa von den Linken, der FDP und jüngst auch vom drogenpolitischen Sprecher der SPD, Burkhard Blienert. Strikt dagegen ist hingegen die Drogenbeauftragte Marlene Mortler.

Der Konsum

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat bei den jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mehr als ein Drittel Cannabis zumindest mal ausprobiert, fünf Prozent würden es regelmäßig (mindestens zehnmal in einem Jahr) konsumieren (Zahlen von 2014). Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen hat bereits jeder Zehnte schon einmal Cannabis genommen. Zwischen 2004 und 2011 war insgesamt ein Rückgang der Konsumentenzahl zu verzeichnen, seitdem steigt die Zahl laut der BZgA wieder an. Auch die hessische Landesstelle für Suchtfragen stellt fest, dass die Anzahl der Menschen, die ein „behandlungsbedürftiges Cannabisproblem“ haben, in den Suchtberatungsstellen leicht zugenommen hat.

• Wer sich zu der Fachtagung noch anmelden möchte, kann das bei der Fachstelle für Suchthilfe tun unter Telefon 0 56 51/3 39 42 96.

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