Bei drei von elf Einkaufsversuchen erhielten WR-Praktikantinnen Alkohol

Supermärkte verkaufen Alkohol an Minderjährige

Eschwege. In rund 30 Prozent der Versuche kommen Jugendliche in Eschwege problemlos an Alkohol. Das ist das Ergebnis von Testeinkäufen unserer 14-jährigen Praktikantinnen, die Supermärkte und Tankstellen besuchten.

Im Herkules-Markt sowie in den Filialen von Tegut in Eschwege und Niederhone konnten die Mädchen ohne nennenswerte Probleme Alkoholika vom Biermischgetränk bis zum Weißwein mit einem Alkoholgehalt von über zwölf Prozent kaufen. Dabei sind beide Tegut-Märkte zusätzlich mit einem Jugendschutz-Warnsystem ausgerüstet. Dieses weist die Kassiererin beim Scannen der Ware mit einem optischen Signal darauf hin, dass gerade alkoholhaltige Getränke über das Band gehen. Mit den Ergebnissen konfrontiert, berichtete die stellvertretende Filialleiterin des Tegut Eschwege, dass sämtliche Kassierer geschult seien und zudem eine 15-seitige Arbeitsanweisung erhalten hätten, aus welcher die Jugendschutzregelung hervorgehe. Sie selbst ließe an der Kasse nicht einmal handgeschriebene Vollmachten der Eltern zum Alkoholkauf gelten.

Der stellvertretende Filialleiter des Herkules-Markts sagte, man dürfe nicht erwarten, dass eine Kassiererin die Probleme der Gesellschaft löse. Außerdem seien teilweise Aushilfskräfte und Schüler an der Kasse beschäftigt, welche es schwerer hätten, das Alter der Käufer einzuschätzen oder diese nach einem Altersnachweis zu fragen. Die Zentrale der Rheika-Delta-Handelsgesellschaft, zu der Herkules gehört, führe zudem auch unangekündigte Testkäufe in den Märkten durch, daher würde dem Thema bereits Aufmerksamkeit geschenkt. Die Filialleiterin des Niederhoner Teguts betonte ebenfalls, dass die Mitarbeiter angehalten würden, bei Zweifeln über das Käuferalter den Ausweis zu kontrollieren. Sämtliche Verantwortliche reagierten betroffen und nahmen den Testkauf zum Anlass, ihre Mitarbeiter nochmals nachdrücklich für die Alterskontrolle zu sensibilisieren. Sie gaben aber zu bedenken, dass jugendliche Alkoholtrinker auch andere Wege fänden, an Alkohol zu kommen. „Die Einhaltung der Vorschriften können wir nur stichprobenartig kontrollieren, im Schwerpunkt prüfen wir dann aber Gaststätten und Kneipen“, erklärt der Leiter des Eschweger Ordnungsamtes, Uwe Schäffer. Wenn ein Jugendlicher Alkohol kauft und konsumiert, werde dies meist erst publik, wenn etwas passiere. Damit liegt die Beachtung der Verkaufsvorschriften für Alkohol allein in den Händen der Filialleiter der Supermärkte und Tankstellenbetreiber mit ihren Mitarbeitern.

Von Wolfram Skupio

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