Dank Jasmin Jung kann das Tegut Niederhone Kunden mit Behinderung gerecht werden

Superman im Supermarkt

Das weiße Gesicht zeigt die Person mit kognitiver Einschränkung, das blaue die Person, die sie begrüßt, unterstützt und ihr zuhört: Seit gestern klebt das S3A-Piktogramm am Eingang zum Tegut.

Niederhone. Wenn eine ältere Dame verzweifelt vor der riesigen Auswahl an Milchprodukten steht und nicht weiß, welchen Joghurt sie nun kaufen soll, dann sieht Jasmin Jung nicht mehr tatenlos zu.

„Ich weiß jetzt, dass ich ältere Kunden direkt ansprechen soll, um ihnen zu helfen“, erklärt Jung. Die Mitarbeiterin des Tegut-Markts in Niederhone hat an einer Schulung des europäischen Projekts „Superman“ teilgenommen.

Gestern zertifizierte Harald Kühlborn, Internationale Kooperation Landkreis Kassel, ihren Supermarkt als einziges Lebensmittelgeschäft im Kreis und als erstes in Deutschland. Supermarkets Meet Accessibility Needs (Supermarkt wird Zugänglicher), kurz Superman, schult Verkäufer im Umgang mit Kunden, die von kognitiven Einschränkungen oder Demenz betroffen sind. „Trotz seiner Behinderung soll so dem Kunden ermöglicht werden eigenständig und selbstbestimmt Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarf einzukaufen“, erklärt Kühlborn das Ziel des Projekts. Die Idee dafür stammt aus Frankreich und wird dort bei der Supermarktkette Leclerc in Zusammenarbeit mit einer Dachorganisation von Selbsthilfegruppen von Eltern psychisch behinderter Kinder erfolgreich praktiziert. „In Zusammenarbeit mit unserer Partnerstadt in Italien haben wir das Projekt an die bei uns vorherrschenden Bedürfnisse angepasst und neben der psychischen Behinderung auch Demenzkranke bei der Schulung berücksichtigt“, sagt Kühlborn.

„Mir war nicht bewusst, dass Demenzkranke ihre Erkrankung leugnen und man aus diesem Grund feinfühlig mit ihnen umgehen und direkt auf sie zugehen muss“, berichtet Jung von ihrer Schulung. Im Juni 2013 werden die Schulungen in Deutschland in allen 50 teilnehmenden Tegut-Märkten in Bayern, Thüringen, Hessen und Niedersachsen abgeschlossen sein. „Nachdem wir gemeinsam mit Tegut, die durch die Arbeit mit behinderten Angestellten mit dem Thema vertraut sind, das deutsche Modell entwickelt haben, soll die Schulung zukünftig auch anderen Dienstleistern angeboten werden“, erklärt Kühlborn.

Von Gudrun Skupio

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