Günter Schneiders Amateurfilm ist auf der DVD zum Thema Wiedervereinigung zu sehen

Szenen deutscher Geschichte

Er hielt mit seinem Sohn Momentaufnahmen von 1989 fest: Günter Schneider mit seinem Film „Ein grenzenloses Wochenende“. Foto: Wetzestein

Eschwege. Momentaufnahmen dokumentieren Geschichte. Im 25. Jahr nach der Wiedervereinigung brachten die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinemathek jüngst eine DVD heraus, die zeigt, wie Menschen aus Ost- und Westdeutschland in den Jahren 1989 und 1990 aufeinander treffen und aufeinander zugehen.

Aus dem Online-Archiv „Wir waren so frei… Momentaufnahmen 1989/1990“, einem nicht kommerziellen Archiv von Amateurfilmen und -fotos, wurde eine 90-Minuten- DVD zusammengestellt, die für den Geschichts- und Kunstunterricht der Sekundarstufe 2 konzipiert wurde. Aufnahmen aus neun Amateurfilmen schafften es auf diese DVD, darunter auch der Film von Günter und Jochen Schneider aus Eschwege. Sie hatten mit dem Amateurstreifen „Ein grenzenloses Wochenende“ Szenen in Eschweges Innenstadt drehen können, die heute kaum mehr vorstellbar sind. „Die Stimmung war unbeschreiblich“, sagte Günter Schneider, der damals erst einmal seinen Sohn Jochen mit der Kamera losschicken musste. „Ich lag ausgerechnet mit einer Grippe im Bett“, erzählt der heute 85-Jährige. Die reine Euphorie habe ihn dann am nächsten Tag aus dem Bett getrieben. „Wir waren alle wie aufgedreht, ich habe erlebt, wie glücklich die Menschen waren“, so Schneider.

Aus einigen Stunden Filmmaterial, vielen Interviews mit DDR-Bürgern und auch mit Bürgermeister Jürgen Zick, entstand der 15-minütige Amateurfilm. Mit einem Grundig VHS-Camcorder zogen Jochen und dann Günter Schneider durch eine übervolle Eschweger Innenstadt, sahen in überfüllte Läden, leergekaufte Geschäfte, nahmen Menschen auf, wie sie ihr Begrüßungsgeld abholen, um es gleich wieder beim Eschweger Obst- und Gemüsehändler zu lassen.

„Ich bin froh, dass ich Szenen der Wiedervereinigung mit der Kamera einfangen konnte“, erzählt Günter Schneider, während er den Lizenzvertrag unterschreibt. Und obwohl er für die Überlassung seiner Filmaufnahmen kein Honorar bekäme, sei es für ihn Belohnung genug, dass die Grenzöffnung in Nordhessen durch seinen Film - neben Aufnahmen aus Leipzig, Dresden, Cottbus und fünf Mal aus Berlin - nicht nur in prominenter Gesellschaft, sondern vielmehr auch in voller Länge gezeigt wird.

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