Lesung mit der Frankfurter Autorin Inge Geiler in der Anne-Frank-Schule Eschwege

Tage sind wie ein Schatten

Spannend erzählt: Die Frankfurter Autorin Inge Geiler las aus ihrem Buch über das Schicksal der jüdischen Familie Grünbaum aus Eschwege. Foto: Pujiula

Eschwege. Nomen est omen. Und so war es selbstverständlich, dass diesmal die Veranstaltung der Historischen Gesellschaft, zusammen mit dem Geschichtsverein, in der Aula der Anne-Frank-Schule stattfand. Denn es ging um ein Buch, dass akribisch dem Schicksal eines jüdischen Ehepaars nachging, das in September 1942 in Theresienstadt starb.

Das Buch hat eine ungewöhnliche Geschichte. 1986 fand Inge Geiler, Jahrgang 1935, bei Renovierungsarbeiten in einem Versteck in ihrem Wohnzimmer im Frankfurter Westend Briefe, Postkarten, Fotos und Zeitungsausschnitte, die eine tragische Geschichte erzählten: die Geschichte der letzten Monate im Leben des jüdischen Ehepaares Meier und Elisa Grünbaum, beide über achtzigjährig, die 1942 in diesem Raum, damals Teil einer Pension für Juden, gewohnt hatten.

Zwanzig Jahre nach dem Fund begann Inge Geiler sich mit viel Geduld und Tatkraft intensiv mit dem Schicksal des weitverzweigten Familie Grünbaum zu beschäftigen. Und die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen präsentierte sie in ihrem nach einem Spruch im biblischen Prediger-Buch genannten Werk „Wie ein Schatten sind unsere Tage“.

An diesem Dienstag las sie aus diesem Buch. Und die etwa vierzig Besucher verfolgten mit sichtlicher Anteilnahme die erschütternde Erzählung. Nicht, dass man etwas grundsätzlich Neues hörte. Denn wie unmenschlich es damals zuging, war sicherlich dem interessierten Publikum wohl bekannt. Aber diesmal hatte das Schrecken ein bestimmtes Gesicht, bestimmte Namen. Es ging um Menschen, die selber über diese schreckliche Zeit geschrieben hatten: „Ich bin sehr unglücklich“, hatte Meier Grünbaum damals einem Brief anvertraut, eine schlichte Aussage, die das in unserer Gesellschaft kaum vorstellbare Leid erahnen lässt.

Von besonderem Interesse für das hiesige Publikum waren die ausführlich erwähnten Beziehungen der Grünbaums zu der Eschweger Familie Stein, dem es bekanntlich gelang, rechtzeitig ins rettende Ausland zu fliehen. Nach der Lesung hatten die Zuhörer zahlreiche Fragen an die Autorin, die mit diesem Buch ein anschauliches, exzellent recherchiertes und lesenswertes Buch vorgelegt hat.

Von Francisco Pujiula

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