18-Jähriger nach Unfall im Rollstuhl - An Aufgeben denkt er nicht

Jan Witzel macht trotz Querschnittslähmung seine Ausbildung

Hat das Lachen nicht verlernt: Der querschnittsgelähmte Jan Witzel (18) lässt sich bei der Werralandbetriebsgesellschaft in Eschwege zum Bürokaufmann ausbilden. Foto: Cortis

Werra-Meißner. Eigentlich wollte er Gas- und Wasserinstallateur werden. Den Ausbildungsvertrag hatte er schon in der Tasche. Doch dann kommt alles ganz anders. Ein schrecklicher Verkehrsunfall reißt den heute 18-jährigen Jan Witzel aus einem unbeschwerten Leben. Seit zwanzig Monaten ist er an den Rollstuhl gefesselt. Diagnose: Querschnittslähmung. Doch der tapfere junge Mann aus dem Meißner-Ortsteil Wellingerode gibt nicht auf.

Seit August lässt sich Jan zum Bürokaufmann ausbilden. Sein Arbeitgeber ist die Werralandbeschäftigungsgesellschaft (WBG), eine Tochter der Werraland-Werkstätten in Eschwege. Hauptanliegen der WBG: Menschen mit Behinderung auszubilden und in Brot und Arbeit zu bringen. Dort hatte sich Jan aus eigenem Antrieb beworben - mit einer einleuchtenden Begründung: „Ich habe mir gedacht, nirgendwo wird das Verständnis für Behinderte so groß sein wie dort.“

Rückblende: Der 22. März 2012, ein kühler, aber sonniger Tag. Jan hat seit einigen Monaten einen Führerschein für ein Leichtkraftrad und nutzt den Nachmittag für eine Spazierfahrt. Bei Neuerode verliert er auf der unebenen Fahrbahn die Kontrolle, stürzt und landet im Gegenverkehr. „Das Auto hat mich voll erwischt.“ Viel mehr vom Unfallgeschehen weiß Jan nicht mehr. Mit dem Rettungshubschrauber wird er in die Uni Klinik Göttingen gebracht, sein zehnter Brustwirbel und sein linkes Bein sind gebrochen. Es folgen Intensivstation, monatelanger Krankenhausaufenthalt und eine Reha in Reinhardshausen (Kreis Waldeck-Frankenberg). Dort hat er auch die Prüfung für seinen Realschulabschluss nachgemacht, die er im Mai wegen des Unfalls verpasst hatte.

Dass er wahrscheinlich für immer an den Rollstuhl gefesselt sein wird, habe ihm kein Arzt gesagt, zuckt Jan mit den Achseln. „Ich habe mich damit abgefunden, dass es so bleiben wird“, fügt er scheinbar emotionslos hinzu. Schon mehr zu berühren scheint ihn, dass er die Freundin von damals nicht mehr hat und auch andere Freunde sich von ihm abgewendet haben. Umso mehr freut es ihn, dass er an der Berufsschule, die er an anderthalb Tagen in der Woche besucht, neue Kontakte knüpfen konnte. Und auch im 150-Seelen-Ort Wellingerode sind ihm einige Gleichaltrige treu geblieben.

Und was macht er sonst so in der Freizeit? Zweimal in der Woche geht’s zum Physiotherapeuten, ist die spontane und etwas überraschende Antwort auf die Frage nach seinen Hobbys. Und dann ist da noch sein Handbike. Sieht aus wie ein Fahrrad, lässt sich aber nicht mit der Muskelkraft der Beine, sondern nur der Arme bewegen. Das Spezialgerät ist so teuer wie ein guter Gebrauchtwagen: 7000 Euro. Dafür ist der 17-Jährige seinen Eltern sehr dankbar, aber auch dafür, dass sie ihn so gut unterstützen. Mehr als zufrieden mit ihrem neuen Azubi sind WBG-Geschäftsführer Gerd Hoßbach und WBG-Verwaltungsleiter Markus Hahn: „Vom Intellekt und der sozialen Kompetenz her könnte der überall anfangen.“ (zcc)

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