Tender Werra hat bislang über 1000 Menschen gerettet

Das Notwendigste ist da: Auf Deck wurde ein Zelt zum Schutz vor der Sonne errichtet, dort findet auch die Essensausgabe statt. Fotos: Bundeswehr

Eschwege. Das Patenschiff der Stadt Eschwege rettet seit Juni Flüchtlinge im Mittelmeer. Über 1000 Menschen haben sie bereits in Sicherheit gebracht. Wir erklären die Mission, die Erfolge und die Situation an Bord.

Die Mission

Der Tender Werra gehört zu einem europäischen Verband, der sogenannten „European Naval Forces Mediterranean“ (zu Deutsch: Europäische Kriegsflotte Mittelmeer). Die Aufgabe dieses Verbandes ist es, das Seegebiet aufzuklären, um möglichst Rückschlüsse auf Schleusernetzwerke, Flüchtlingsrouten und mehr ziehen zu können. Dazu gehören Schiffsabfragen, Seeraumüberwachung mit elektronischen und optischen Mitteln sowie persönliche Kontaktaufnahmen mit Menschen aus der Gegend, wie beispielsweise Fischern und letztendlich auch den Geretteten.

Die Erfolge 

Seit dem 7. Mai retteten deutsche Marinesoldaten im Mittelmeer 7263 Menschen, darunter waren 1265 Frauen und 476 Kinder. Der Tender Werra hat in fünf Seenotrettungsoperationen 1046 Menschen geholfen. In der vergangenen Woche waren es über 200.

Die Situation an Bord 

Das eigentliche Flugdeck - also da, wo üblicherweise Hubschrauber landen - ist den Bedürfnissen der Geretteten angepasst worden. Es ist mit einem ordentlichen Zelt überdacht, das Schutz vor Regen und Sonne bietet. Mobile Toiletten und Waschgelegenheiten wurden aufgestellt, es gibt einen Bereich mit einer offenen Absperrung. Hier ist man räumlich getrennt, kann aber miteinander reden. Dort gibt es Hilfe und Auskunft, Getränke und etwas zu essen. Die Werra hat zusätzliche Schwimmwesten und Rettungsinseln, zudem Decken, Windeln, Babynahrung, Medikamente und Kuscheltiere für die Kinder dabei. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt Kapitän Stefan Klatt.

Die Seetage 

Ein typischer Tag auf See beinhaltet neben der Rettung der Flüchtlinge und dem Versenken der leeren Boote ganz viele normale Dinge. Die Seewachen auf der Brücke und im schiffstechnischen Leitstand lösen sich nach geregelten Wachzeiten ab, es wird gekocht, sauber gemacht, es gibt Sport und es wird ganz viel geübt, um im Ernstfall gewappnet zu sein: „Mann über Bord“, „Feuer im Schiff“, Schießen - und auch Seenotrettung.

Die Betroffenheit

„Wir sehen die Rettung der Menschen als Mission, die Schicksale berühren uns aber auch persönlich“, sagt Klatt. Man habe einen klaren Auftrag, den es zu erfüllen gelte. Aber die Schicksale würden niemanden kalt lassen. „Ich bin oft sehr gerührt wenn ich die Freude dieser Menschen sehe - über die Rettung oder die der Kinder über ein einfaches Kuscheltier.“ Was Klatt ebenfalls berührt, ist, was diese Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben bereit sind auf sich zu nehmen.

Zukunft der Flüchtlinge 

Meist bleiben die Flüchtlinge 24, höchstens 48 Stunden an Bord. Dann hat die Werra den sogenannten Place of Safety (zu Deutsch: sicherer Ort) erreicht, fast immer einen Hafen auf Sizilien. Danach werden die Gäste italienischen Behörden übergeben. Sie werden dort in Auffanglager gebracht. Ihre Odyssee ist damit aber noch lange nicht beendet.

Ein Interview mit Tender-Werra-Kapitän Stefan Klatt lesen Sie in der Montagsausgabe der Werra-Rundschau.

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