Thomas Mann besuchte 1955 Eschwege und erhielt einen Strafzettel

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Während seiner Rundreise hielt sich Thomas Mann am 15. Mai 1955 im Schloss-Hotel auf und parkte seinen Plymouth im Parkverbot.

Eschwege. Dass einer der bedeutsamsten Erzähler des 20. Jahrhunderts im Mai 1955 Station in Eschwege machte, wäre beinahe unbemerkt geblieben. In den Eschweger Geschichtsblättern sind diese und weitere verblüffende Begebenheiten festgehalten.

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass ein kleines Detail im Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann (1875 bis 1955) mit einem interessanten Bezug zu Eschwege entdeckt wurde. Der 15. Mai 1955: Ein Hauptwachtmeister der Eschweger Stadtpolizei bemerkt eine auffällig große schwarze Limousine mit Schweizer Kennzeichen vor dem Schlosshotel. Bei näherem Betrachten fallen dem aufmerk-samen Beobachter zwei Dinge auf: Das Auto ist ein amerikanischer Plymouth, Modell Belvedere. Und es ist verkehrswidrig im Parkverbot abgestellt worden.

Thomas Mann

 Der Hauptwachtmeister vermutet den ausländischen Fahrer scheinbar in dem Hotel und will ihn dort zur Rede stellen. Als ihm dann einer der bekanntesten Erzähler des 20. Jahrhunderts gegenüberstand, dürfte das Erstaunen auf beiden Seiten gleich groß gewesen sein. Thomas Mann hielt sich nur zur Durchreise in Eschwege auf, verzichtete daher auf einen offiziellen Empfang. Am Morgen des 15. Mai wurde er in Weimar zum „Doktor der Philosophie ehrenhalber“ durch die Universität Jena ernannt. Auf der weiteren Durchreise Richtung Norden bot sich gegen Mittag eine Rast in Eschwege an. Ins Restaurant des Schlosshotels kehrte Mann mit seiner Frau Katia und Tochter Erika ein. Bereits am Abend wurde der geständige Verkehrssünder in Göttingen erwartet.

Kurz darauf, am 6. Juni 1955, feierte Thomas Mann seinen 80. Geburtstag mit großer Festschar in Zürich. Ende Juni brachen Thomas Mann und Ehefrau Katia zu einer Reise in die Niederlande auf. Nach Aufenthalten in Amsterdam und Den Haag ging es nach Noordwijk. Weil es Mann gesundheitlich zunehmend schlechter ging, musste die Reise allerdings kurzfristig abgebrochen werden – der Autor der „Buddenbrooks“ und Träger des Nobelpreises für Literatur wurde nach Zürich zurückgeflogen. Am 12. August 1955 starb der berühmte Schriftsteller im Züricher Kantonsspital.

Diese und weitere interessante Begebenheiten, die sich in der Region abgespielt haben, sind in der 27. Auflage der Eschweger Geschichtsblätter nachzulesen. Diese ist jetzt erschienen. Gedruckt wurden 300 Exemplare. Erhältlich sind die in der Eschweger Buchhandlung Heinemann und im Stadtarchiv. Seine Verkehrssünde aus dem Mai 1955 soll Thomas Mann übrigens relativ gelassen aufgenommen haben.

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