Langer Winter

Tiere leiden in der Kälte

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Werra-Meißner. Mit großer Besorgnis beobachten die Jäger im Kreis, dass die freilebenden Tiere durch die anhaltend, kalte Witterung zunehmend in Bedrängnis geraten.

Rehe, Hirsche und Wildschweine leiden zurzeit genauso wie Zugvögel, die seit einigen Wochen auf dem Heimflug immer wieder zum Zwischenlanden im Werratal gezwungen werden, teilt der Jagdverein Hubertus Eschwege mit.

Große Scharen von Zugvögeln, die auf ihrem Zug nach Norden vom erneuten Wintereinbruch überrascht wurden, rasten momentan auf den Feldern im Werratal und auf den Höhenzügen des Ringgaus. Kraniche, Kiebitze, aber auch die seltenen Goldregenpfeifer suchen auf den zum Teil noch verschneiten Feldern nach Nahrung. Ständig kommen auch Zugvögel zurück, die unsere Region auf dem Zug nach Norden schon passiert hatten und nun in einem Umkehrzug vor dem Winter nach Süden zurückflüchten.

Auch die großen Säugetiere leiden unter der Kälte. Besonders betroffen sind die Wildschweine. „Die Wildsauen sind eine Tierart, die aus wärmeren Klimazonen erst nach der letzten Eiszeit nach Mitteleuropa eingewandert ist“, erklärte Rainer Stelzner, der Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege. „Daher kommen sie mit strengen Wintern nicht so gut zurecht.“ Besonders die neugeborenen Frischlinge sind in ihren ersten Lebenswochen kälteempfindlich. Nur alte und erfahrene Muttertiere (Bachen) bauen einen ausreichend gut isolierten Wurfkessel. Die Bachen müssen jetzt genügend Eicheln aus dem vergangenen Herbst finden, denn nur so können sie den jetzt schon geborenen Frischlingen genügend Milch und Wärme geben.

Auch Rehe und Hirsche leiden unter dem langen Winter. In wenigen Wochen sollen die Kitze und Kälber zur Welt kommen, und die Muttertiere sind dringend auf frisches, nahrhaftes Grün angewiesen. „Besonders wichtig ist jetzt, dass die Tiere im Moment so wenig wie möglich gestört werden“, sagt Stelzner. Spaziergänger in Wald und Feld sollten daher die Wege nicht verlassen und Hunde an der Leine führen. Werden Wildtiere und rastende Vögel zu häufig gestört und zur Flucht bzw. zum Auffliegen gezwungen, so können sie in diesen kalten Tagen schnell in ein bedrohliches Energiedefizit geraten. „Das zu vermeiden liegt in unser aller Verantwortung“, sagt Stelzner. (ts)

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