Bewährungsstrafe für 57-Jährigen aus Bad Sooden-Allendorf

Traktor überrollt Kind: Landwirt verurteilt

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Eschwege. Wegen fahrlässiger Tötung ist gestern ein 57-jähriger Landwirt aus Bad Sooden-Allendorf zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt worden.

Die wird zu einer zweijährigen Bewährung ausgesetzt, zudem muss er 1500 Euro an den Kinderschutzbund in Kassel zahlen. Der Mann musste sich vor dem Strafrichter des Eschweger Amtsgerichts verantworten, weil er im Frühjahr in der Schaufel seines Schleppers einen zehnjährigen Jungen mitgenommen hatte, der während der Fahrt heruntergefallen und gestorben war.

Sichtlich betroffen und immer wieder nach Luft schnappend schilderte der Landwirt den Vorgang, den er selbst nicht begreifen kann: Nachdem er den Jungen kurz vor dem Unfall bereits auf dem Beifahrersitz des Traktors mitgenommen hatte, fragte der Zehnjährige nach Angaben des Landwirts, ob er sich in die Schaufel setzen dürfe. „Fürsorgepflicht missachtet“ 

„Ich konnte ihm diesen Wunsch nicht abschlagen, die Augen haben mich so erwartungsvoll angeblickt.“ Trotz kurz auftauchender Bedenken gab er nach und beruhigte sich selbst: Auf der nur 400 Meter langen Strecke zwischen zwei Feldern würde schon nichts passieren, zumal er dem Jungen geraten hatte, sich festzuhalten.

Dass doch etwas passierte, sei zweifelsohne die Schuld des Landwirts: „Sie haben ihre Fürsorgepflicht in eklatanter Art und Weise missachtetet“, gab der Richter bei der Bekanntgabe des Urteils an. Denn zum einen konnte er nicht sehen, ob sich der Junge tatsächlich festgehalten hat, zum anderen sei es verboten, jemanden in der Schaufel mitzunehmen.

Bei dem Urteil hielt sich der Richter an die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, des Verteidigers sowie des Anwalts der Mutter des getöteten Jungen, die als Nebenklägerin auftrat. Aufgrund von andauernden psychischen Problemen konnte sie nicht an der Verhandlung teilnehmen.

Von Constanze Wüstefeld

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