Bund stellt Projekt zur Förderung älterer Arbeitsloser ein

Trotz Erfolgen: Aus für Perspektive 50plus

Werra-Meißner. Das Projekt Perspektive 50plus, das Arbeitslose über 50 durch Praktika in neue Jobs vermitteln soll, wird Ende des Jahres eingestellt – trotz großer Erfolge. Allein im Jahr 2014 haben dadurch 120 Arbeitssuchende im Werra-Meißner-Kreis einen neuen Beruf gefunden, weitere 52 einen Minijob.

Der Grund für das Aus: Die ursprünglich vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales angesetzte Dauer von zehn Jahren ist abgelaufen.

„Andere Gründe dafür sind mir nicht geläufig. Wie das mit allen Projekten so ist, werden sie nach einer bestimmten Frist nicht mehr weiter gefördert“, sagt Oliver Brunkow, der bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis zuständiger Netzwerkkoordinator für das Projekt ist. Ein vergleichbares Folgeprogramm gebe es nicht.

Praktikum dient oft als Türöffner

Das Bundesprojekt Perspektive 50plus wurde 2006 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufen und wird Ende des Jahres eingestellt. Seit 2008 beteiligt sich der Werra-Meißner-Kreis. Das Job-Center Werra-Meißner und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis koordinieren hier das Projekt. Ihre Mitarbeiter bringen dabei vor allem Arbeitssuchende, die 50 Jahre oder älter sind, und Arbeitgeber für ein vier- bis sechswöchiges unbezahltes Praktikum zusammen. Danach ist eine Weiterbeschäftigung im Unternehmen möglich, gegebenenfalls unter Einbeziehung von Nachqualifizierungen. (flk)

„Das ist schade, denn ältere Arbeitssuchende haben es schwerer, einen neuen Job zu bekommen, wenn sie im gleichen Topf mit Jüngeren schwimmen“, sagt Brunkow. Man habe Arbeitgebern die Möglichkeit gegeben, sich in einem kostenfreien Praktikum ein Bild von der Arbeitsleistung zu machen. „Oft kursiert das Vorurteil, dass Menschen über 50 nicht mehr so fit im Beruf sind“, sagt Brunkow. Dabei vergesse man den Vorteil der großen Erfahrung.

„Wenn dann doch mal ein Defizit besteht, das einer Einstellung im Weg steht, bietet das Projekt Nachqualifizierungen an“, erklärt er. Beispiele seien Fremdsprachenkurse oder Staplerscheine.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales möchte das Konzept des Projektes auf die Gruppe von Langzeitarbeitslosen übertragen, sagt Dominik Ehrentraut, stellvertretender Pressesprecher. Die konkrete Umsetzung bleibe den einzelnen Jobcentern überlassen. „Vergleichen kann man das neue Programm mit Perspektive 50plus jetzt noch nicht. Aber es ist gut, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Regionalprojektleiterin Renate Bölling vom Jobcenter Werra-Meißner.

Von Florian Künemund

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