Nach Plänen des Schulamtes sollen Schüler künftig schneller in den Beruf wechseln

Der Übergang ist wichtig

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Schule und Praxis: Eibe-Schüler können an den Beruflichen Schulen ihren Hauptschulabschluss nachholen und sich gleichzeitig auf eine Berufsausbildung vorbereiten.

Eschwege. In den Beruflichen Schulen Eschwege ist man nicht glücklich mit den Plänen des Staatlichen Schulamtes. Zwar sei noch nichts in Stein gemeißelt, aber man könne davon ausgehen, dass es in diese Richtung gehen wird, sagt der stellvertretende Schulleiter Ekkehard Götting.

Und was kommen soll, ist bitter für die Beruflichen Schulen. Die Pläne des Schulamtes sehen vor, künftig die Berufsorientierung von den Beruflichen Schulen weg in die allgemeinbildenden Schulen zu verlagern. „Im Prinzip nimmt man uns damit einen großen Teil unseres Kompetenzbereiches weg“, sagt Götting.

Bislang können Schüler als Übergang von der Schule in den Beruf in den Beruflichen Schulen eine Eibe-Klasse oder ein Berufsvorbereitungsjahr (BVplus) besuchen und damit den einfachen beziehungsweise qualifizierenden Hauptschulabschluss machen oder in der zweijährigen Berufsfachschule (BFS) die Mittlere Reife nachholen. „Das Ganze immer mit einem Schwerpunkt auf einen Beruf“, sagt Götting. Dieses Übergangssystem hält er für den richtigen Weg, da viele dieser Schüler oft direkt nach der Schulzeit noch nicht ausbildungsfähig seien und in diesen ein oder zwei Jahren viel an Praxis und Sozialkompetenz erlernen würden. „Nun nehmen Sie den Schülern, die das zusätzliche Jahr gut gebrauchen können, dieses weg und gleichzeitig bekommen die Abiturienten mit G9 ihr Jahr wieder zurück“, kritisiert Götting.

Als Grund für diese Umstrukturierung nennt das Schulamt den Bedarf an Fachkräften und sinkende Schülerzahlen. „Das ist eine rein volkswirtschaftliche Betrachtungsweise“, sagt Götting. In Eschwege besuchen rund 180 Schüler eine dieser drei Übergangsformen. Dies zeige, dass es hier einen Bedarf gebe, sagt Götting. Zudem sei die Erfolgsquote sehr gut, so schaffen 50 Prozent der Eibe-Schüler den Abschluss, bei den BVplus- und BFS-Schülern läge die Quote sogar bei weit über 90 Prozent. Wie die allgemeinbildenden Schulen das übernehmen sollen, weiß er nicht. Er befürchtet allerdings, dass dann viele Schüler an der Ausbildung scheitern könnten. „Es scheint, als ob diese Neuregelung eine Standortsicherung für die allgemeinbildenden Schulen sein soll.“

An den Beruflichen Schulen Eschwege sind die Schülerzahlen noch stabil, derzeit besuchen insgesamt 1596 Schüler die Schule, davon 760 in Vollzeit und 836 in Teilzeit während der Ausbildung. Allerdings rechne man im Zuge des demografischen Wandels künftig auch hier mit sinkenden Schülerzahlen. Dennoch wolle man den Schülern solange es geht eine Vielfalt an Berufsfeldern anbieten. So wird auch noch die Fachrichtung Fleischer angeboten, obwohl es hier in allen drei Ausbildungsjahrgängen nur elf Azubis gibt. „Wir sind doch die Ahle-Wurscht-Region und die Innungsbetriebe in der Region brauchen doch auch Nachwuchs“, sagt Götting.

Von Diana Rissmann

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