Buch über Ludwig Pappenheim, Sozialdemokrat und Gegner des Nationalsozialismus

Unbeugsam bis in den Tod

Jüdische Miniaturen: Als 140. Band der Reihe stellen die Autoren Dietfrid Krause-Vilmar (links) und York Egbert-König den aus Eschwege stammenden Ludwig Pappenheim vor. Foto: Weber

Eschwege. Mit dem 140. Band der Reihe „Jüdische Miniaturen“ des Hentrich & Hentrich Verlags in Berlin wird ein gebürtiger Eschweger geehrt: Ludwig Pappenheim, der von 1887 bis 1934 lebte. Die Autoren, York-Egbert König und Dietfrid Krause-Vilmar zeichnen das Leben des mutigen Journalisten und Politikers unter dem Untertitel „Redakteur - Sozialdemokrat - Menschenfreund“ nach. In der Buchhandlung Heinemann in Eschwege stellten sie ihr Buch nun vor.

Ludwig Pappenheim hatte sich in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts als ebenso unabhängiger Geist wie scharfzüngiger Redner erwiesen, der fest zu seiner sozialdemokratischen Überzeugung stand - bis in den Tod. Als Sohn eines jüdischen Kolonialwarenhändlers aus Eschwege war Pappenheim 1919 als Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) in die Eschweger Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Er entschied sich dann jedoch dafür, seine politische Arbeit in Schmalkalden fortzusetzen und wurde Redakteur des „Schmalkaldener Tageblatts“. Als Politiker engagierte er sich für die Jugend- und die Frauenarbeit, er setzte den Bau eines Schwimmbads durch und setzte sich für den sozialen Wohnungsbau ein. Politisch war er, der eine atheistische Weltanschauung hatte, Gegner des Nationalsozialismus. „Ludwig Pappenheim hat mich sofort fasziniert“, sagt der emeritierte Erziehungswissenschaftler Dietfrid Krause-Vilmar. „Denn es gibt wenige Menschen, die man mit vollem Recht als Widerstandskämpfer bezeichnen kann.“ Die Nationalsozialisten fürchteten die Opposition überzeugter Sozialdemokraten, besonders dann, wenn sie sich durch öffentliche Tätigkeiten, wie Ludwig Pappenheim, Gehör verschafften. So wurde der unliebsame Redakteur 1933 wegen angeblicher Gotteslästerung in Schutzhaft genommen und 1934 erschossen. Der Eschweger Historiker York-Egbert König würdigt Ludwig Pappenheim: „Er war ein glaubwürdiger Politiker, der sich für eine praktische Sozialdemokratie eingesetzt hat. Im Grunde hat er sein Leben gegeben für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse.“ Das 89 Seiten umfassende Büchlein ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Von Kristin Weber

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