Der Untergang des Schwimmbads: 181 Bädern in der Region droht das Aus

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Nichtschwimmer: Das gilt für immer mehr Grundschüler, wie die DLRG feststellt. Als Ursache sieht die Gesellschaft das Schließen von Bädern. Das Archivbild zeigt eine Klasse aus Düsseldorf.

Wiesbaden/Hannover. Kleinstädte und Gemeinden können sich ihre Schwimmbäder wegen zu hoher Kosten nicht mehr leisten und werden geschlossen. Die DLRG schlägt Alarm: Viele Kinder können nicht richtig schwimmen.

Die Hälfte der Kinder, die die Grundschule verlassen, sind keine sicheren Schwimmer. Das hat die Deutsche LebensRettungs-Gesellschaft (DLRG) jetzt mitgeteilt und warnt vor der Schließung weiterer Schwimmbäder. Bundesweit sind laut DLRG in den vergangenen sieben Jahren 371 Bäder geschlossen worden.

In Hessen wurden 29 Bäder dichtgemacht - davon 19 Hallenbäder. Bei den anderen handelt es sich um Kombinationen aus Hallen- und Freibädern sowie Lehrschwimmbecken und Thermen. Weitere 77 sind in Hessen von einer Schließung bedroht, sagte Achim Wiese, Pressesprecher beim DLRG-Bundesverband. Das gehe aus ihren Erhebungen hervor. 2002 gab es in ganz Hessen 564 Bäder. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

In Niedersachsen schlossen seit Beginn der Erhebung vor acht Jahren 39 Einrichtungen. 104 drohe die Schließung, sagte Wiese. Im Schnitt könne man davon ausgehen, dass zehn bis zwölf Prozent aller Bäder bundesweit in den vergangenen acht Jahren den Betrieb einstellen. Früher hatte fast jede Kommune ihr eigenes Bad, sagt Wiese. Das sei heute nicht mehr der Fall, es fehlten für die Kinder Angebote, um richtig Schwimmen zu lernen.

Das Sterben von Bädern in den Kommunen wird sich vermutlich nicht aufhalten lassen - sie sind mit den laufenden Kosten überfordert.

250.000 Euro Minus mache ein kommunales Schwimmbad pro Jahr jährlich im Schnitt, sagt David Rauber, Referent beim hessischen Städte und Gemeindebund. Bei der Schätzung geht er von einer Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.000 und 12.000 Einwohnern pro Jahr aus. Und das sei noch eine niedrige Schätzung.

Den Kommunen, die bis 2017 im Zuge der Schuldenbremse einen ausgeglichenen Haushalt erreichen müssen, bleibe dann häufig nur die Möglichkeit: Schließen oder an anderer Stelle Einnahmen generieren, etwa bei der Grundsteuer. Über die Eintrittspreise sei das nicht abzufangen, wenn diese für jeden erschwinglich sein sollten. Das sei etwas anderes als bei Spaßbädern, die von privaten Unternehmen betrieben würden, sagt Rauber.

Mit Unterstützung der Länder können die Kommunen derzeit offenbar nicht rechnen. Das Innenministerium in Hessen wollte sich dazu aktuell nicht äußern. Das Thema werde Mitte November ausführlich behandelt. In Niedersachsen gibt es derzeit kein Programm, das Unterstützung vorsieht, wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte. Der Betrieb sei kommunale und nicht Landesaufgabe. Generell sei das Schließen von Bädern aber eine negative Entwicklung - gerade mit Blick auf den Schwimmunterricht, hieß es vom Innenministerium.

Geschlossene Bäder in der Region

Werra-Meißner-Kreis: 

Hallenbad Witzenhausen, Freibad Eschwege

Kreis Hersfeld-Rotenburg: 

Schwimmbad im Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ)

Stadt Kassel: 

Stadtbad Mitte und Hallenbad Ost. Neu hinzugekommen ist das Auebad.

Landkreis Kassel: 

2004 Schließung Solefreibad Bad Karlshafen sowie 2004/2005 Schließung Hallenbad Bad-Karlshafen-Helmarshausen, beide wegen Neueröffnung der Wesertherme. Freibad in Helsa und Waldschimmbad wurden vor zwei Jahren geschlossen. Sie werden seit jetzt von Vereinen betrieben. Das Freibad Sand/Merxhausen blieb dieses Jahr geschlossen.

Kreis Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder-Kreis: 

keine Schließungen

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