Eschweger entscheiden am 7. Juni über den Bürgermeister

Bürgermeisterwahl in Eschwege: Kohl kandidiert

Mit dem Rad ins Rathaus: Dieter Kohl will Bürgermeister in Eschwege werden. Mit Unterstützerunterschriften und Genehmigungsurkunde des Ministerpräsidenten fährt er am Rathaus vor. Foto: Sagawe

Eschwege. Skireise-Unternehmer Dieter Kohl will Bürgermeister in der Kreisstadt Eschwege werden. Weil der amtierende Bürgermeister Alexander Heppe (CDU) jetzt voraussichtlich nicht antreten wird, bleibt es bei der Wahl am 7. Juni bei drei Bewerbern.

„Bevor ich das Künstlerensemble im Rathaus so weitermachen lasse, stelle ich mich zur Verfügung“, erklärte der 80-Jährige gestern in Eschwege. Kohl kann angesichts seines Alters nur mit Sondergenehmigung des Ministerpräsidenten für das Amt kandidieren. Die wurde prompt erteilt.

„Dieter Kohl hat die Passagierzahlen am Flughafen Kassel-Calden mit seinen Skireisen innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt“, sagte Volker Bouffier (CDU). „So fähige Leute brauchen wir in der Politik, da darf das Alter keine Rolle spielen“, so Bouffier, der seinem Parteifreund und Amtsinhaber Alexander Heppe empfahl, auf die eigene Bewerbung zu verzichten.

„Dem werde ich natürlich folgen“, erklärte Heppe gestern spontan. Er werde eine sechsjährige Auszeit nehmen, eine längere Reise mit der Familie unternehmen und während der letzten zwei Jahre von Kohls Amtszeit im Rathaus hospitieren, um danach „wieder voll durchzustarten“.

Für den Kandidaten der Linken, Bernhard Gassmann, ist die Kandidatur des Skireiseveranstalters ein Anreiz, jetzt umso mehr um den Chefsessel im Rathaus zu kämpfen. „Ich werde dem altersbedingten Leichtsinn Kohl jugendliche Vernunft entgegensetzen“, erklärte der 59-Jährige.

„Wir brauchen in Eschwege kein zweites Kassel-Calden und schon gar keine Skilifte am Leuchtberg“, machte auch SPD-Bürgermeisterkandidat Jörg Heinz deutlich, dass er „dem Wahnsinn auf Ski“ in Eschwege keine Chance geben wolle.

Dieter Kohl, der gestern Nachmittag die erforderlichen 74 Unterstützerunterschriften zusammen mit seinen Bewerbungsunterlagen und der Genehmigungsurkunde von Ministerpräsident Bouffier bei Wahlleiterin Dagmar Schade-Kurz vorlegte, kritisierte „inkonsequentes Handeln im Rathaus und unlogische Entscheidungen auf allen Ebenen“. So habe ihm erst in der vergangenen Woche ein Hilfspolizist auf dem Marktplatz die Krücken abgenommen, weil er angeblich die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern überschritten haben soll.

Und der Fahrradstellplatz vor dem Rathaus werde ihm auch noch streitig gemacht. „Ist das jetzt ein Rathaus oder nicht“, fragt Kohl und ist entsetzt, dass „die Beamten alle mit dem Auto zum Dienst ins Rathaus kommen, statt mit dem Rad zu fahren“. Kohl: „Das liegt bestimmt daran, dass die ratlos sind.“

Für die Kommunalwahl am 1. April kommenden Jahres kündigte Kohl bereits gestern die Kandidatur seiner Bergpartei an, die auch in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag für neue Mehrheitsverhältnisse sorgen will. „Und dann werde ich Landrat“, kündigt Dieter Kohl an.

Von Harald Sagawe

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