Weinen um Jesus Christus

100 Dinge aus der Region: Der Schnitzaltar von Lüderbach

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Eindrucksvolle Figuren: Der Mittelteil des spätgotischen Schnitzaltars in Lüderbach zeigt die Beweinung Jesu. Fotos: Methe

Lüderbach. Der Schnitzaltar von Lüderbach ist ein Publikumsmagnet für Touristen. „Menschen aus ganz Europa kommen nach Lüderbach, um sich den spätgotischen Schnitzaltar aus der Nähe anzuschauen“, sagt Reiner Methe, Vorstand beim Lüderbacher Förderverein.

Dass der Altar überhaupt gefunden wurde, war eher ein Zufall. Im Jahr 1904 hat Lehrer Hendrich, der damals gerade nach Lüderbach gezogen war, den Altar auf dem Dachboden der Kirche gefunden. Mit seinen älteren Schülern hat er den Altar laienhaft bemalt. Bis Anfang der 50er-Jahre wurde er außerhalb von Lüderbach kaum bemerkt, bis der Altar 1950 von Mitarbeitern des Landeskonservatoriums Hessen abgeholt und zwei Jahre in Darmstadt und Marburg restauriert wurde.

Die Beweinung nach dem Tod Jesu ist im Mittelteil des Altars zu sehen. Fünf Heilige umrahmen das Ereignis. Auf den Flügeln sind in Dreiergruppen jeweils sechs Apostel auf einer Seite abgebildet. Die Außenseiten des Altars, die als Werktagszeiten bezeichnet werden, sind beschädigt. Sie wurden nicht restauriert, da die Oberflächen zu sehr zerstört sind. Nur Reste von Farbschichten sind auf den Werktagsseiten noch zu sehen.

Erbaut wurde der spätgotische Schnitzaltar zwischen 1510 und 1520 in Eisenacher Werkstätten. Das konnte auch durch eine Studie der Universität Osnabrück bestätigt werden. Bei der wissenschaftlichen Tagung „Mittelalterliche Retabel in Hessen“ in Marburg stellte Kunsthistorikerin Karina Steege kürzlich den Lüderbacher Schnitzaltar vor.

Vor fünf Jahren wurde das Schmuckstück noch einmal restauriert. Zu bestaunen ist der Altar im Chorraum der Wehrkirche. Kirchenführungen mit detaillierter Altarbeschreibung können bei Reiner Methe unter der Telefonnummer 0 56 59/75 78 angefragt werden.

Von Franziska Kiele

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