Wegen Computerproblemen 

Weite Reise für den Asylantrag: 500 Flüchtlinge aus dem Kreis müssen nach Neustadt

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Werra-Meißner. In den Gemeinschaftsunterkünften des Werra-Meißner-Kreises leben etwa 500 Flüchtlinge, die bis heute keinen Asylantrag gestellt haben. Das ist gut ein Drittel der 1500 Flüchtlinge, die in den 42 Gemeinschaftsunterkünften des Kreises sowie in Wohnungen aktuell leben. Das berichtet Uwe Kümmel, Leiter der Stabsstelle Migration beim Kreis, auf Anfrage. Wir schildern die Lage in Fragen und Antworten.

Wie können die Flüchtlinge einen Asylantrag stellen?

Wegen fehlender technischer Möglichkeiten seitens des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) müssen diese Menschen bis Ende September im Aufnahmezentrum im 100 Kilometer entfernten Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf) vorstellig werden. Denn nur dort können sie ihren Antrag stellen.

„Hierzu ist ein direkter Online-Zugang zu unserem Aktensystem notwendig, und dieser besteht nur in unseren Ankunftszentren und Außenstellen“, sagt BAMF-Sprecher Christoph Sander. Die Verlagerung dieses Arbeitsschrittes in die Gemeinschaftsunterkünfte sei deshalb nicht möglich.

Wie kommen die Flüchtlinge nach Neustadt?

Wenn größere Gruppen für einen Termin vom BAMF nach Neustadt eingeladen werden, organisiert der Werra-Meißner-Kreis Busse, die die Asylbewerber in ihren Unterkünften abholen. Das Problem: Start jeder Registrierung ist immer um 8 Uhr – und die Fahrt vom Werra-Meißner-Kreis nach Neustadt dauert mindestens 1,5 Stunden. „Überlegen Sie mal, wann die Busse dann hier losfahren müssen“, sagt Kümmel. „In diesem Punkt ist das BAMF leider nicht gesprächsbereit.“

Kleinere Gruppen müssen mit dem Hessenticket der Bahn nach Neustadt reisen, für sie gibt es aber Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer trägt die Kosten für den Transport?

Wenn ein Flüchtling zur Registrierung nach Neustadt reisen muss, trägt das Land Hessen die Kosten. Die Anreise zum Interview für den Asylantrag muss der Werra-Meißner-Kreis zahlen – aus dem Geld vom Land, das den Kreisen für die Flüchtlinge zugewiesen wird, so Uwe Kümmel.

Wie lange warten die Flüchtlinge auf einen Termin, um einen Asylantrag zu stellen?

 „Das ist sehr unterschiedlich“, sagt Kümmel. „Wir haben Fälle mit zwei Monaten und mehr als zwei Jahren.“ Ist der Antrag gestellt, müssen die Bewerber zwischen sechs Wochen und mehreren Monaten auf eine Entscheidung warten.

Gibt es weitere Probleme bei der Antragsstellung?

Bund und Länder bemühen sich aktuell vermehrt, dass jetzt vor allem diejenigen ihre Asylanträge stellen können, die schon lange in Deutschland sind und noch keinen Termin für die Befragung erhalten haben, weil bei der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr dazu noch keine Zeit war. Ihre Zahl lag Ende 2015 bei bundesweit 300 000 bis 400 000, so Sander.

Allerdings läuft das nicht reibungslos: Die Asylbewerber werden nämlich persönlich und auf Deutsch angeschrieben. Da viele noch nicht ausreichend gut Deutsch lesen können, komme es oft dazu, dass Termine nicht wahrgenommen werden, berichtet Kümmel. „Wir als Kreis bekommen vom BAMF keine Mitteilung, wer zum Interview eingeladen ist.“ Um den Menschen beim Weg zum Antrag helfen zu können, müssten sich die Betroffenen selbstständig mit ihrer Post an die Betreuer in den Unterkünften wenden. (fst/alh)

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