Senioren im Kreis beziehen immer häufiger Grundsicherung

Zu wenig Rente: Zahl der Bedürftigen steigt

Die Zahl der Menschen über 65 Jahre, die ihren Anspruch auf die Grundsicherung geltend machen, ist in den vergangenen Jahren im Werra-Meißner-Kreis gestiegen. Das geht aus Daten des Hessischen Statistischen Landeamtes hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Demnach bezogen zum Jahresende 2011 noch 514 Menschen aus dem Kreis diese Form der Sozialleistung; vier Jahre später waren es 648 Menschen. Anspruchsberechtigt ist, wer seinen Lebensunterhalt im Alter nicht alleine bestreiten kann (siehe Hintergrund). Die Gründe für diese Zunahme, die sich im Laufe der Jahre stetig entwickelt hat, dürften laut dem Landesamt dabei vielfältig sein, erhoben würden sie bei der Antragsstellung aber nicht, weshalb keine verlässlichen Aussagen getroffen werden könnten.

Mit über 65 noch arbeiten Fest steht jedoch, dass immer mehr Menschen über 65 Jahre noch arbeiten. Von den insgesamt gut 27 500 Beschäftigten im Werra-Meißner-Kreis Ende des vergangenen Jahres waren 184 Personen 65 oder älter – drei Jahre zuvor waren es bei einer fast gleichbleibenden Beschäftigungszahl noch 105. Auch hier sind die Gründe vielfältig, erklärt Silke Sennhenn, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Kassel: „Ein Teil der Menschen fühlt sich mit 65 einfach noch nicht breit für den Ruhestand, andere werden mit ihrem Wissen einfach noch gebraucht in den Unternehmen“, erklärt sie.

Aber auch die zu geringe Rente, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sei sicherlich ein großer Faktor – ebenso wie die Tatsache, dass gerade im vergangenen Jahr die Ankunft der Flüchtlinge viele neue Stellen geschaffen habe, die von den Älteren besetzt wurden. Die meisten der 184 Menschen über 65 Jahre hätten so in dem Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit gearbeitet.

Wer anspruchsberechtigt ist

Die Grundsicherung gibt es sowohl für ältere Menschen (ab welchem Alter, ist vom Geburtsjahrgang abhängig) als auch bei Erwerbsminderung bei Menschen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Anspruchsberechtigt ist in beiden Fällen, bei wem das Einkommen oder Vermögen so gering ist, dass es für den Lebensunterhalt nicht (aus)reicht. Als Faustregel gilt, dass der Anspruch auf die Grundsicherung geprüft werden kann, wenn das monatliche Einkommen durchschnittlich unter 773 Euro liegt. Ist ein Einkommen vorhanden, wird das auf die Grundsicherung angerechnet. Anträge müssen beim Grundsicherungsamt gestellt werden.

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