Spannender Abend im voll besetzten Oberhoner Dachbodentheater

Wenn alte Fetzen fliegen

Unterhaltung auf hohem Niveau: Das Theaterstück „Coachgeflüster“ im Dachbodentheater mit (von links) Heiko Alsleben, Birte Paasch, Matthias Schäfer, Susann Schäfer und Sven Kasper-Lange. Foto: Pujiula

Oberhone. Der Theaterabend begann mit einer kurzen Rede von Matthias Schäfer. Nach dem tragischen Tod seines Vaters Henning Schäfer, des Gründers und langjährigen Leiters der Gruppe, sagte er, hätte die Gruppe mit dem Gedanken gespielt, sich aufzulösen. Aber sie entschied sich, doch weiterzumachen, auch im Sinne von Henning.

Und so ging am vergangenen Wochenende nach einer langen Pause die aufsteigende Erfolgskurve der Theatergruppe des Kulturkreises Oberhone weiter: mit einem Stück, das noch Henning Schäfer ausgesucht hatte, „Couchgeflüster“.

Es ist ein geschickt aufgebautes, anspruchsvolles Konversationsstück, das mit Spannung, mit viel Humor aber auch mit Ernst das Zusammentreffen eines kleines Freundeskreises und das Aufeinanderprallen verschiedener Charaktere und Meinungen zum Thema hat.

Ein Fünfpersonenstück, das, um die ganze Wirkung zu entfalten, eine gute, homogene Besetzung und eine einfühlsame Regie braucht - und beides bot die Oberhoner Darstellergruppe.

Unter der sorgsamen, auf die Möglichkeiten des Dachbodentheaters eingestellten Regie von Matthias Schäfer, der nun sehr erfolgreich in die Spuren seines Vaters tritt, fand an diesem Freitag die Premiere statt und schon einen Tag später folgte die zweite Vorstellung: ein toller Abend. Neben Matthias Schäfer als Jérome traten Susann Schäfer (Christine), Birte Paasch (Julia), Heiko Alsleben (Richard) und Sven Kasper-Lange (René) auf. Ein ausgezeichnet aufeinander eingestelltes Ensemble, das mit seiner für Laienschauspieler Spitzenleistung das Publikum, das wie immer beim Dachbodentheater den Saal füllte, bestens unterhielt - auf hohem Niveau.

Bei einem Theaterstück über einen Abend unter Freunden erwartet der Zuschauer keinen friedvollen Verlauf. Und die Erwartungen wurden voll erfüllt. Denn die als freundschaftlich gedachte Atmosphäre wird zunehmend angespannter und frostiger, bis es explodiert. Der Anlass zu diesem verhängnisvollen Verlauf ist die als „schockierender Scherz“ gedachte Äußerung des selbstherrlichen Jérome, er will seinen noch ungeborenen Sohn Adolf nennen. Die heftigen Reaktionen, vor allem vom Gastgeber Richard, zu dieser Äußerung öffnen den Weg zu einer allgemeinen Abrechnung der Freunde mit aufgestauten Ressentiments und „alten Rechnungen“ - lebhaft und überzeugend gespielt vom ganzen Ensemble, das oft vergessen ließ, dass sie „Laienschauspieler“ sind. Laienhaft war der Abend sicher nicht.

Riesenapplaus für eine denkwürdige Leistung.

Von Francisco Pujiula

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