Wenn das Leben zur Qual wird

Expertenrunde diskutiert assistierten Suizid

Die Expertenrunde der Podiumsdiskussion: (sitzend von links) Manuela Krug, Dr. Uwe Ellringmann, Dr. Klaus Seubert, (stehend von links:) Friedhelm Kerl, Michael Poetsch und Helga Först regten die fast 150 Zuschauer zum Nachdenken an. Foto:  Sachs

Eschwege. Ab wann ist das Leben nicht mehr lebenswert? Sollten deutsche Gesetze dahingehend geändert werden, dass ärztliche Beihilfe zum Suizid oder aktive Sterbehilfe legal werden? Die Hospizgruppe versuchte diese Fragen mit einer Expertenrunde zu klären.

„Das Sterben der anderen - assistierter Suizid - ein Thema?“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion im Eschweger E-Werk. Auf ethische, rechtliche und medizinische Weise nährten sich die Experten der polarisierenden Thematik.

Laut einer Umfrage sei die Mehrheit der Deutschen für die Möglichkeit eines ärztlich assistierten Suizids, jedoch gaben über die Hälfte der Befragten an, sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. In einer Umfrage unter Ärzten sei die Mehrheit eindeutig dagegen und empfinde die Vorstellung als eine Belastung, gaben Moderator Michael Poetsch und Palliativmediziner Dr. Uwe Ellringmann an.

„Rechtlich muss die Frage geklärt werden, ob ein assistierter Suizid eine Stärkung oder eine Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts darstellt“, sagte Betreuungsrichter Dr. Klaus Seubert. Dagegen spreche eine eventuelle vorrausgegangene Beeinflussung der Patienten. Dafür, dass gerade die Möglichkeit, den Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen eine Erweiterung des Persönlichkeitsrechts sei. Es gäbe bereits Institutionen, die den Willen des Patienten, auch wenn dieser nicht mehr ansprechbar ist, vertreten können. „Eine Patientenverfügung gewährleistet das Selbstbestimmungsrecht, sogar wenn der Tod nicht in absehbarer Nähe bevorsteht“, so Dr. Seubert. Eine passive und indirekte Sterbehilfe sei also schon jetzt möglich, aber wer wolle Rechte, die darüber hinaus gehen?

„Hinter dem Wunsch nach dem eigenen Tod stecken oft auch andere Gründe“, berichtete Dr. Ellringmann aus beruflichen Erfahrungen. Angst vor Schmerz und Leid oder Einsamkeit beispielsweise. Auch er sehe eine gewisse Gefahr des Missbrauchs, sollte aktive Sterbehilfe auf Wunsch des Patienten möglich werden.

„Kontakt zu anderen Menschen und das Umsorgtwerden ohne Zeitdruck wünschen sich die meisten der Patienten viel mehr als den schnellen Tod“, bestätigen auch Moderator Michael Poetsch und Manuela Krug, die beide in der Hospizgruppe Eschwege tätig sind. Mit dieser Unterstützung könne die Zahl derer, die den Suizid wollen, deutlich vermindert werden. Die momentane Rechtslage sei ausreichend, sind sich die Experten einig. „Jedoch benötigen Betroffene mit individuellen Schicksalen auch immer eine an ihren Bedürfnissen orientierte Behandlung“, betont Helga Fürst.

Hintergrund

Die Sterbehilfe unterscheidet sich in drei Formen, von denen in Deutschland nur die aktive Sterbehilfe verboten ist. Diese unterscheidet sich nochmal vom ärztlich assistierten Suizid.

• Aktive Sterbehilfe: gezieltes, aktives Herbeiführen des Todes (strafbar)

•Passive Sterbehilfe: Unterlassen, Abbrechen lebensverlängernder Maßnahmen (legal)

• Indirekte Sterbehilfe: Leidenslinderung (z.B. Schmermittel) unter Inkaufnahme der Lebensverkürzung (legal)

• Der Suizid ist in Deutschland nicht strafbar, auch die Beihilfe dazu ist strafrechtlich nicht belangbar. Einem Suizid zu assistieren ist für Ärzte berufsrechtlich aber verboten. Ein ärztlich assistierter Suizid ist in Deutschland somit illegal, anders als in der Schweiz oder den Niederlanden. (aks)

Von Ann-Kristin Sachs

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