Jugendamt muss 56 Prozent weniger Mahnungen aussprechen

Werra-Meißner: Eltern gründlicher bei Vorsorgeuntersuchungen

Werra-Meißner. Die Eltern im Werra-Meißner-Kreis werden gründlicher, was die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen bei Babys, Kleinkindern und Kindern betrifft.

Das geht aus Zahlen hervor, die der Werra-Meißner-Kreis unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat. Im vergangenen Jahr musste das Jugendamt 144 Mahnungen aussprechen. Ein Jahr zuvor waren es noch 326 – ein Rückgang um fast 56 Prozent.

Das Jugendamt wird erst dann aktiv, wenn Eltern drei Einladungen zu den Vorsorgeuntersuchungen nicht nachgekommen sind (Hintergrund). Dann werden die Eltern nachdrücklich vom Jugendamt aufgefordert, die wichtige Untersuchung nachzuholen. „Oft klärt sich dann schon einiges auf“, sagt Ilona Friedrich, Leiterin des Jugendamtes Werra-Meißner. Das System habe eine Schwachstelle. „Wenn Eltern aus Herleshausen oder Witzenhausen beispielsweise einen Arzt in Thüringen oder Niedersachsen aufsuchen, müssen die Ärzte keine Rückmeldung nach Hessen geben.“

In der Gemeinschaftspraxis von Kinderarzt Dr. Florian Peters wurden nach Auswertung der Praxissoftware ebenfalls verbesserte Zahlen festgestellt. Vor vier Jahren kamen nur 75 Prozent der Kinder zur U5, die auch die U3 hier erledigt hatten. Von 2015 bis 2016 waren es 85 Prozent. „Ob es daran liegt, dass die Eltern mehr Wert auf die Untersuchungen legen, kann ich anhand der nackten Zahlen nicht sagen“, sagt Peters. Die Untersuchung könne beispielsweise auch beim Hausarzt erledigt werden. Gefühlt achteten Eltern aber in den vergangenen Jahren mehr auf die Untersuchungen.

Können Eltern dem Jugendamt keine Erklärung für die versäumten Untersuchungsfristen liefern, schaut sich die Behörde die Situation vor Ort an. Im schlimmsten Fall muss das Familiengericht entscheiden.

Von Tobias Stück

 

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