Sender soll dementen Heimbewohnern helfen

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Mitspielen: Heimleiterin Claudia Wille und Stellvertreterin Susanne Zirau an der Bushaltestelle, an der kein Bus abfährt. Sie ist Teil des psychobiografischen Modells.

Werra-Meißner. Pflegeheime in der Region haben für manche demente Bewohner ein Warnsystem mit Sendern eingeführt. Ein Signal alarmiert das Personal, wenn Senioren das Heim oder ihre Zimmer verlassen.

Dazu tragen die Betroffenen einen Sender im Schuh oder am Rollator. An Türen oder im Boden sind ebenfalls Sender angebracht, die Alarm geben, wenn ein Bewohner mit Chip vorbei geht. Wenn die Orientierung schwindet, können sich demente Senioren in Gefahr bringen. Mit den Gedanken in der Vergangenheit, verlaufen sie sich oder gehen unachtsam auf die Straße und gefährden sich oder ihre Mitmenschen. Im Seniorenwohnheim Brückentor in Eschwege informieren Kontaktmatten vor den Betten, wenn Patienten aufstehen oder fallen. Zu bestimmten Zeiten, etwa abends oder zur Mittagsruhe, werden sie vor die Betten mancher Bewohner gelegt und senden bei Berührung ein Signal an die Pfleger.

In vielen Fällen sind die Sender in den Heimen prophylaktisch. Dadurch soll vermieden werden, dass Bewohner stürzen oder sich verlaufen. Die einzige Trägerin eines solchen Chips in einem Heim in Witzenhausen sei gar nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, sagt Heimleiterin Jutta Rosin. Der Chip solle nur verhindern, dass sich die Bewohnerin in Bereichen aufhält, in denen sie stürzen könnte. Eine andere demente Heimbewohnerin aus Eschwege ist noch so mobil, dass ihr die Heimleitung in Absprache mit den Bevollmächtigten einen GPS-Sender an den Rollator befestigt hat. Damit können Pflegekräfte sie in der Stadt finden und sie begleiten oder überreden, wieder mit ins Heim zu gehen. Das Altenheim St. Vinzenz in Eschwege verzichtet ganz auf Chipsysteme. Indem sich Pfleger mit den Biografien der dementen Bewohner beschäftigen, wollen sie einem Alarmsystem vorgreifen.

Keine einheitliche Gesetzesregel

Eine einheitliche Regelung, ob Chipsysteme richterlich genehmigt werden müssen, gibt es nicht. Sie ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Kommt ein Sender in Betracht, überlegt meist die Pflegeleitung mit den Angehörigen oder dem Betreuer, wie vorgegangen werden soll. „Wenn ein Sender oder eine Kontaktmatte nur dafür benutzt werden, um Pflegepersonal zu informieren, beschränkt das keine Freiheit“, sagt Christian Möller, Verfahrenspfleger im Werra-Meißner-Kreis. „Wenn ein Bewohner unter Anwendung von Zwang wieder zurück in sein Zimmer gebracht wird, schon.“ Möller vertritt betroffene Menschen im Genehmigungsverfahren.

Von Valerie Schaub

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