Wettbewerbsverzerrung befürchtet: Hoteliers kritisieren Privatvermietung

Werra-Meißner. Private Zimmervermieter sagen auf Internetplattformen wie AirBnB Hotelbetreibern den Preiskampf an. Laut Werbeslogan sind die Angebote 50 Prozent günstiger - von ihnen gibt es nach Recherche unserer Zeitung etwa 15 im Werra-Meißner-Kreis.

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nord- und Osthessen ist dies eine Wettbewerbsverzerrung.

Insbesondere die für die Hotels deutlich höhere Kostenbelastung sei laut Wolfgang Dovidat, Inhaber des Witzenhäuser Burghotels, ein Problem. „Wir haben in jedem Zimmer einen Fernseher. Das kostet GEZ, Kabelgebühren, Gema sowie VG Media. Hinzu kommen Prüfungen der Wasserqualität und Hygiene und Kontrollen der Wärmedämmungen. Private zahlen nur einmal GEZ je Haushalt pauschal, alles andere nicht“, so Dovidat.

Silke Stöber-Meyer, Geschäftsführerin des Landidyll-Hotels Ahrenberg, sieht Unterschiede zwischen der Zielgruppe der Online-Anbieter und ihren Hotelgästen. „Die primäre Zielgruppe, die den Ahrenberg als Destination wählt, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit den derzeit angebotenen Unterkünften auf AirBnB auseinandersetzen“, sagt Stöber-Meyer. Als Wettbewerbsverzerrung sieht die Geschäftsführerin die Angebote ebenfalls, „allerdings sollte man überlegen, ob die Bürokratie zum Betrieb eines Hotels nicht vereinfacht werden sollte, anstatt andere Anbieter an den Pranger zu stellen“, so Stöber-Meyer.

Die Dehoga weiß von Fällen, in denen Privatvermieter keine Steuern gezahlt haben sollen. „Die Vermietung - auch Untervermietung - von Wohnraum ist aber einkommenssteuerpflichtig, wenn dies in der Absicht erfolgt, auf Dauer gesehen nachhaltig Überschuss zu erzielen“, teilt Siegfried Werling von der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main mit. Steuerpflichtig sei der Überschuss, der ermittelt wird. Einnahmen (Miete) und Ausgaben (Inserieren, Einrichtung) werden gegenüber gestellt.

Eine verdachtslose Rasterfahndung nach privaten Zimmervermietern werde es laut der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main nicht geben. „Das ist rechtlich nicht zulässig“, so Siegfried Werling. „Sofern im Einzelfall jedoch konkrete Hinweise auf nicht versteuerte Einnahmen vorliegen, wird dem selbstverständlich nachgegangen.“

Die Oberfinanzdirektion geht von einem Gewerbe aus, wenn besondere Umstände hinzutreten. Das kann unter anderem ein besonders häufiger Wechsel des Mieters sein. Eine pauschale Anzahl an Vermietungen gibt es dafür nicht. Über die Zahl werde für jeden einzelnen Fall entscheiden, heißt es aus Frankfurt. (kmn)

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