Tendenz zu höheren Temperaturen und extremeren Lagen - 2003 vor Augen

Wetter mal hui, mal pfui

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Blitze über Eschwege zeigen an, dass ein Gewitter über der Kreisstadt tobt. Experten gehen davon aus, dass sich in Zukunft die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen häufen. 

Eschwege. Im Süden derzeit hui, im Norden derzeit pfui: Die zurzeit herrschenden Wetterunterschiede in Deutschland treiben den Inland-Urlauber von einem Extrem ins andere. Während sich der Norden bei kühlen 17 Grad fragt, wann es endlich mal wieder Sonne gibt, ist im Süden Deutschlands der Hochsommer längst angekommen, wo Temperaturen über 30 Grad und strahlend blauer Himmel ganz selbstverständlich sind.

Doch schon ist „Gerechtigkeit“ in Sicht: Während in den kommenden Tagen die Temperaturen im Norden steigen sollen, müssen sich die Urlauber in Süddeutschland auf Schauer und Gewitter gefasst machen.

Im Auge des Betrachters

Extreme Wetterlagen in Deutschland mit orkanartigen Stürmen im Winter, heftiger Sommerregen mit Hagelschlag, Überschwemmungen, Dürre? Nach den Ausführungen von Torsten Rost, heimischer Meteorologe mit eigener Mess-Station, sind schnell gefasste „extreme Wetterlagen“ abhängig von der jeweiligen Betrachtungs- und Interpretationsweise des Beobachters. „Nach den mir vorliegenden Messwerten sind wir derzeit weit entfernt von extremen Wetterlagen. Wir leben in Mitteleuropa, sind von den jeweiligen Großwetterlagen abhängig, die im Sommer ab und zu schon einmal einen Ausreißer in Richtung afrikanischer Hitze bzw. nordatlantischer Kühle haben“, tritt Torsten Rost jenen entgegen, die sich nach seiner Meinung in den Medien allzu weit aus dem Fenster lehnen, wenn es darum geht, Horror-Szenarien von Dürren oder anderen Klimakatastrophen in Mittel-Nordeuropa heraufzubeschwören.

Deutschland nicht am Mittelmeer

Der Eltmannshäuser führt im WR-Gespräch weiter aus, dass extrem lange Sommer wie 2003 und 2006 in Deutschland natürlich länger und nachhaltiger im Bewusstsein der Menschen haften bleiben, als die jetzigen Temperaturen, die aber, so der Meteorologe, im Vergleich international gültiger Referenzperioden dem Sommermittelwert von 16,8 Grad Celsius entsprechen. „Deutschland liegt nicht am Mittelmeer und das Wetter weiß das.“

Die Frage, wie sich die Wetterlagen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen verändern, beantwortet Torsten Rost dahingehend, dass Deutschland im Bereich der sogenannten Westwindzone liegt. Dabei herrscht in Nordwesteuropa tendenziell tiefer Luftdruck, rund um das Mittelmeer hoher Luftdruck. Deutschland gelangt dann abwechselnd in den Einflussbereich von Hochs und Tiefs und dementsprechend wechselhaft gestaltet sich das Wetter, und die heute wichtigste Wetterlage ist die Nordwest-Schauerlage.

Im Zusammenhang mit einem Tief über der Nordsee bringt eine solche Lage kühlere und feuchtere Luftmassen. Eine Wetterlage, die im Sommer besonders unbeliebt ist, ist nach den Ausführungen von Rost das zentrale Tief über Mitteleuropa. „Das ist typischerweise mit viel Niederschlag und kühlen Temperaturen in fast ganz Deutschland verbunden.“

Südwestlagen - sie entstehen unter dem Einfluss eines Tiefs über Westeuropa mit Südwestwinden - gehören laut Rost zu den typischerweise vorkommenden Wetterlagen. „Das bedeutet für die Winter mehr Niederschlag und für die Sommer dagegen schwül-warme Wetterlagen.“

Tendenz geht nach oben

Nach Expertenmeinung gibt es eine Tendenz zu höheren Temperaturen. Verbunden damit ist, dass auch die Zahl der Extreme zunimmt. Danach werden die Zahl der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Celsius ebenso zunehmen wie die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen sowie die Häufigkeit längerer Trockenphasen. Auch wenn es unter dem Strich wärmer werde, gebe es weiterhin kalte Winter, nur seltener.

Die Veränderungen für die Menschen sind auf der einen Seite angenehm warme Sommertage an den Küsten, doch müsse man auch häufiger mit extrem heißen Sommern wie 2003 rechnen, als in Europa

40 000 Menschen den Hitzetod fanden. Besonders gefährlich wird die Kombination aus hoher Temperatur, hoher Luftfeuchte und wenig Wind beschrieben. Fast schlimmer als hohe Temperaturen ist es, wenn es in der Nacht kaum abkühlt. Hier sind vor allem Herz-Kreislauf-Kranke und alte Menschen gefährdet, die häufig kein ausgeprägtes Durstgefühl haben und schnell dehydrieren.

Von Dieter Möller

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