Bluthochdruck schädigt langfristig alle Organe

„Wie im ersten Gang Vollgas fahren“

Eine konsequente Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ist Voraussetzung, um den Bluthochdruck wieder auf ein normales Maß zu bringen. Das sagt Prof. Dr. Gerhard Müller, der laut aktueller Fokus-Ärzteliste zu den Top-Experten auf dem Gebiet gehört. Foto: Stefanie Salzmann
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Eine konsequente Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ist Voraussetzung, um den Bluthochdruck wieder auf ein normales Maß zu bringen. Das sagt Prof. Dr. Gerhard Müller, der laut aktueller Fokus-Ärzteliste zu den Top-Experten auf dem Gebiet gehört.

Jenseits der 60 leiden mehr als die Hälfte der Deutschen an Bluthochdruck. Nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung sind das zwischen 18 und 35 Millionen Menschen. Über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten der Volkskrankheit sprach WR-Mitarbeiterin Stefanie Salzmann mit dem Chefarzt der Balzerbornkliniken in Bad Sooden-Allendorf, Prof. Dr. Gerhard Müller.

Werra-Rundschau: Was ist Bluthochdruck?

Prof. Dr. Gerhard Müller: Von Bluthochdruck sprechen wir, wenn bei Messungen, in denen der Patient sich in Ruhe befindet, der höhere Wert ständig über 145 und der kleinere über 90 liegt. Für den Betroffenen heißt das, dass sein Körper sich die ganze Zeit sehr anstrengen muss. Das ist wie ständig im ersten Gang Vollgas fahren.

Welche Symptome treten auf?

Müller: Der Mensch merkt zunächst eigentlich gar nichts und fühlt sich wohl. Wenn der Bluthochdruck mit Medikamenten auf ein normales Maß zurückgeführt wird, fühlen sich die Patienten zunächst schlecht, weil sie an den hohen Druck gewohnt waren. Bei Werten über 180 treten häufig Kopfschmerzen, starkes Schwitzen sowie Müdigkeit und Abgeschlagenheit auf. Ein typisches Beispiel sind Menschen, die nur nachts einen hohen Blutdruck haben. Die stehen morgens todmüde oder wie gerädert auf.

Welche Folgen hat zu hoher Blutdruck?

Müller: Generell werden von Bluthochdruck alle Organe in Mitleidenschaft gezogen - vorausgesetzt man lebt lange genug. Am häufigsten wird das Herz geschädigt. Folge ist ein Infarkt oder Herzinsuffizient. Im Gehirn steigt das Risiko für Schlaganfall und Hirnblutung. An der Niere kann eine Insuffizienz auftreten.

Wer sind die Risikogruppen?

Müller: Gefährdet sind Diabetiker, Menschen mit starkem Übergewicht und jene, bei denen die Krankheit familiär bedingt ist. Hinzu kommen Raucher und Menschen, die zu übermäßigem Alkoholgenuss neigen, weil das die Blutgefäße verändert. Gefährlich ist auch eine generelle Bewegungsarmut.

Wie ist die Behandlung?

Müller: Übergewichtige müssen ihr Gewicht reduzieren. Zugleich sollten Bluthochdruckpatienten ihre Ernährung auf salz- und fettarme Kost umstellen und für ausreichend Bewegung über eine Ausdauersportart wie Laufen oder Radfahren sorgen, aber auf keinen Fall Leistungssport treiben. Die Menschen müssen ihre Lebensgewohnheiten grundsätzlich ändern, um schwere Sekundärschäden zu vermeiden.

Zudem gibt es natürlich verschieden wirkende Medikamente. Die Patienten müssen auf die Medikamente richtig eingestellt werden. Ihr Blutdruck muss sich auch unter Belastung auf ein gesundes Maß regulieren.

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