Angebot der Familienbildungsstätte kommt gut an

Bei "Let's talk" kommen Flüchtlinge und Deutsche ins Gespräch

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Freitagnachmittag bei Let’s talk in der Familienbildungsstätte in Eschwege. Im intensiven Gespräch sind Shiyar Abdo (links), ein junger Arzt, der mit seiner Frau Donya aus Aleppo in Syrien geflohen ist, und Hans Sachs (Mitte). 

Die Runde am Freitagnachmittag ist bunt gemischt: zwei junge Familien mit kleinen Kindern aus Syrien, eine Studentin aus dem Libanon, eine Frau aus dem Irak, Hans und seine Frau Frieda sowie Tille aus Deutschland. Außerdem sind an diesem Nachmittag noch drei junge Studenten der Uni Kassel zu Gast bei „Let's talk“ in der Eschweger Familienbildungsstätte (FBS).

Hier begegnen sich Flüchtlinge und Deutsche, um sich miteinander zu unterhalten. „Let's talk“ wird seinem Namen in mehrfacher Weise gerecht, denn bei den Treffen wird ausschließlich englisch gesprochen - für alle eine fremde Sprache „Wir müssen allen die Möglichkeit geben, miteinander reden zu können“, sagt Samah Alfundi.

Die Syrerin aus Damaskus, die unter anderem für Unicef gearbeitet hat und seit September 2015 in Eschwege lebt, ist nicht nur Initiatorin von „Let's talk“, sondern auch Moderatorin und Mentorin für die Neuankömmlinge. Samah erklärt, worum es hier geht: „Eschwege ist unsere neue Heimat. Diese Stadt ist nicht nur für Birgit und Dagmar, sie ist für uns alle.“ Nur Kommunikation könne das Eis zwischen den Kulturen brechen. Samah, die sich nicht nur bei „Let's talk“ für den Dialog engagiert, sondern sich generell um Flüchtlinge kümmert, erzählt von einer jungen Frau, die über Monate das Eschweger Flüchtlingscamp aus Scham und Scheu nicht verlassen hat. Sie konnte sie überreden, die Freitagsrunde an der FBS zu besuchen. Damit war für die junge Frau ein Anfang in Deutschland gemacht.

Baby Ellin ist in Deutschland geboren. Ihre Eltern Samar Othman und Mohamad Mohamad sind aus Syrien geflohen.

Doch bei den Let's-talk-Runden geht es nicht nur um Mutmachen und das Überwinden von Fremdheit im Kopf auf beiden Seiten, sondern auch um ganz konkrete Hilfestellungen. Familien werden bei der Wohnungssuche unterstützt, Dinge werden besorgt, Alltagsprobleme geregelt. Es gibt auf einem großen Tuch einen sogenannten „Tree of wishes“, wo sich Wünsche vom Laptop über Frieden und Heimat bis zur Eheschließung sammeln. „Das ist unsere Flagge“, sagt Samar.

Im Gespräch kommen die vielen kulturellen Unterschiede ans Licht. Was hat es mit der Benutzung der rechten und der linken Hand auf sich? Ist sich die Hand geben wirklich nur Shake hands oder bedeutet es mehr? Welche Rolle spielt der Imam ohne Moschee in Eschwege? Und letztendlich haben die Flüchtlinge in der Runde das Bedürfnis, von ihren traumatischen Erlebnissen im Krieg, der Verfolgung und Flucht zu erzählen und von ihrem Neuanfang in Deutschland.

Hans, der an diesem Nachmittag das erste Mal an der Runde teilnimmt, fasst es für alle zusammen: „Es ist gut, wenn wir uns alle als Neuankömmlinge sehen.“

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