„Wir sind schon beängstigend gut“

Vor dem Open Flair: Jupiter Jones-Gitarrist Sascha Eigner im Interview

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Alte Songs in neuer Besetzung: Marco Hontheim, Andreas Becker, Sven Lauer und Sascha Eigner (von links) sind Jupiter Jones. Lauer ersetzt seit Anfang des Jahres Nicholas Müller als Sänger der Band. Foto:  dpa

Es ist bislang ein turbulentes Jahr für die Indie-Rocker von Jupiter Jones. Im Frühling verließ Frontmann Nicholas Müller wegen Angststörungen die Band. Seit Anfang Juni tritt die Band mit Bandintimus Sven Lauer als Sänger auf. Gitarrist Sascha Eigner spricht im Interview über den Neuanfang.

Ihr seid jetzt seit knapp zwei Monaten mit neuem Sänger unterwegs. Das Open Flair wird die 13. gemeinsame Show. Seid ihr als „neue“ Band schon bei 100 Prozent?

Sascha Eigner: Wer von der ganzen Geschichte um den Sängerwechsel nichts mitbekommen hat, der würde niemals glauben, dass wir erst so wenige Shows gemeinsam gespielt haben. Wir sind da schon beängstigend gut. Als Band ist man aber, glaube ich, nie bei 100 Prozent. Man findet ständig Dinge, die man verbessern kann. Im Liveset gibt es immer wieder Änderungen, die muss man sich ständig aufs Neue erarbeiten. 13 ist für mich übrigens eine Glückszahl, das verheißt nur Gutes.

Auf eurer Homepage und in eurer aktuellen Single heißt es: „Alles auf Anfang, die Welt ist eine Scheibe“. Wie neu fühlt es sich durch die Umbesetzung denn überhaupt an? Die Songs sind ja die gleichen.

Eigner:  Wir müssen als Band nicht wieder von ganz vorne anfangen, aber uns zumindest wieder beweisen. Manche Medienpartner und auch Fans waren natürlich etwas skeptisch. Da freuen wir uns natürlich, wenn die jetzt nach dem Konzert kommen und sagen: ‘Hut ab! Das war gut, ich komme wieder.’

Hört ihr auch kritische Stimmen? 

Eigner: Klar, weil wir als Band auch einfach immer sehr nah an den Fans dran sind. Wir betreuen unsere Internetseiten selbst, sind oft am T-Shirt-Stand nach den Konzerten und beobachten die Reaktionen. Am Anfang hatten wir große Bedenken, weil Sänger nach außen immer die zentrale Person einer Band sind. Wir haben immer versucht offen zu sein, damit die Entwicklung für alle nachvollziehbar ist. Kommentare in die Richtung, dass Nicholas als Sänger fehlt, gibt inzwischen aber kaum noch. Dass Fans abspringen, passiert aber auch ohne Personalwechsel. Da reicht auch mal eine neue Platte. Dafür kommen dann wieder andere dazu.

Hat sich euer alter Sänger Nicholas eigentlich schon ein Konzert mit Sven angeguckt? 

Eigner:  Nein. Momentan herrscht etwas Funkstille. Nicholas muss erst mal schauen, dass er wieder auf den Damm kommt. Außerdem hat er jetzt eine kleine Familie, da gibt es genug zu regeln. Auf der anderen Seite bestanden die letzten vier Monate für die Band einfach nur aus knüppelharter Arbeit. Wir sind mit Nicholas nicht im Streit auseinandergegangen, aber es sind in den vergangenen sechs Jahren durch die schwierige Situation eben auch Spannungen entstanden. Da sind Dinge passiert, die für beide Seiten einfach nicht so schön sind. Es tut allen gut, wenn man vorerst getrennte Wege geht.

Ihr spielt immer recht viele Festivals. Macht euch das mehr Spaß als ein Hallen- oder Clubkonzert? 

Eigner: Das ist tatsächlich ausgeglichen. Ich mag sogar ganz kleine Konzerte am liebsten, wie im Molotow in Hamburg oder dem Druckluft in Oberhausen. Die leben von der Energie und dem Feedback der Leute. Man kann den Leuten in die Augen sehen, während der Schweiß von der Decke tropft. Das ist intensiv. Auf dem Festival ist die Distanz zum Publikum wesentlich größer. Dafür erreicht man da mehr Leute auf einen Schlag. Ideal, um Sven da vorzustellen.

Wie sieht im Normalfall euer Zeitplan für Festivals aus? Reist ihr auf den letzten Drücker an oder saugt ihr auch ein wenig Festivalfeeling auf? 

Eigner:  Wir reisen meist mit Nightliner in der Nacht zuvor an. Dann sind wir gegen acht oder neun Uhr da. Dann Frühstück, Duschen und ein bisschen freie Zeit. Oft geben wir auf Festivals viele Interviews. Zeit, um mal über das Gelände zu laufen, bleibt nur wenig. Wenn man Glück hat, kann man ein bis zwei Bands angucken.

Kommt man da auch in Kontakt mit anderen Künstlern oder sind einfach alle im Stress? 

Eigner:  Tagsüber ist das schwierig. In den Abendstunden kommen aber eher alle mal im Backstage zusammen und da trinkt man auch das ein oder andere Getränk zusammen. Ehrlich gesagt kommt das sogar ziemlich oft vor.

Auf dem Open Flair seid ihr ja schon gewesen? Gibt’s Erinnerungen ans letzte Mal 2011? 

Eigner: Wir haben damals auf der Seebühne gespielt. Ein Crewmitglied ist da noch mit meinem Hund Edda schwimmen gegangen. Der Auftritt war super für uns. Als wir angefangen haben, war noch nicht so viel los. Dann ging plötzlich irgendwo ein Tor auf und eine Menschenmasse schob sich vor die Bühne. Das war schon ziemlich cool.

Zur Person:

Sascha Eigner (38) ist Gitarrist und Gründungsmitglied der deutschsprachigen Indie-Rockband Jupiter Jones. 2012 erhielt die Band einen Echo für ihre Single „Still“. Eigner stammt aus der Eifel und lebt in Hamburg. (lad)

• Jupiter Jones spielen am Freitag, 8. August, um 21.30 Uhr auf der Hauptbühne des Open Flairs.

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