Wirtz im Open-Flair-Interview: „Festivalsaison ist wie Jahresurlaub“

Eher Musiker als Talkmaster. Auch wenn Daniel Wirtz in verschiedenen TV-Formaten zu sehen war, sind ihm seine Lieder immer noch wichtiger. Das Open Flair ist für ihn „ein tierisches Ding“. Foto: nh

Eigentlich ist Daniel Wirtz ein alter Hase im Musikbusiness. Immerhin hatte der 40-Jährige schon vor knapp 16 Jahren eine Single in den deutschen Charts platziert. Mit der Musik, die er heute macht, hat der Song „Weatherman“, aufgenommen mit Wirtz’ alter Band Sub7even, aber wenig zu tun. Der in Frankfurt wohnende Musiker gibt seiner Rockmusik als Solokünstler deutsche Texte und scheut sich darin nicht vor harten Worten. Zum Open Flair kommt Wirtz nicht zum ersten Mal. Im Interview konnten wir daher unter anderem auch über seine Erinnerungen an Eschwege sprechen. Die Vorbereitung auf das Gespräch gestaltete sich dennoch schwierig.

Beim Online-Streaming-Dienst Spotify findet man gerade mal einen Song von Dir. Wie kommt das? 

Weil ich ein eigenes Label habe, kann ich ja selbst bestimmen, wo meine Musik veröffentlicht wird. Für Leute, die von ihrer Musik leben müssen, ist Spotify ein unmögliches Geschäftsmodell. Große Plattenfirmen mögen da profitieren, aber selbst Madonna hat für 40 Millionen Klicks glaube ich 1300 Dollar verdient. Für die Fans ist es natürlich schade, dass es meine Musik da nicht gibt. Aber solange der Verteilungsschlüssel nicht künstlerorientierter ist, kann ich das nicht unterstützen. Das wäre der Todesstoß.

Sind die Fans da nicht sehr enttäuscht? 

Viele fragen danach. Wenn ich es dann erkläre, sagen sie dann: Oh, das wusste ich gar nicht. Man bräuchte da ein paar größere Künstler, die da ein Zeichen setzen, wie es Adele jetzt gemacht hat. Da, wo ich es verhindern kann, mache ich das.

Du kümmerst dich bei deinem Label um vieles selbst. Wäre es nicht entspannter, ein paar Aufgaben abzutreten? 

Den Vertrieb habe ich abgegeben. Booking macht Four Artists für mich. CDs und Artwork erstellen hängt weiter bei mir auf dem Schreibtisch. Aber es ist doch auch viel schöner, wenn man sein Werk verpacken kann wie ein Mon Cheri und nicht in eine Rolle Klopapier. Man kann sich damit ja richtig Mühe geben und die CD nicht einfach nur lieblos in ein billiges Toolcase Jewel Case stecken.

Hörst du selbst Musik noch auf CD? 

Die meisten wühlen sich ja nur noch durch irgendwelche Festplatten mit 150 Gigabyte von Abba bis Zappa. Da wird Musik immer inflationärer. Ich weiß noch jede einzelne Platte, auf die ich damals gespart habe. Der Kauf wurde dann auch dementsprechend zelebriert. Musik muss einfach ihre Wertigkeit behalten und das sollten alle, die Musik lieben und machen, bedenken.

Für einen deutschen Musiker hast Du eine starke Fernsehpräsenz entwickelt. Ist dir das wichtig?

Eigentlich fand ich alles, was im Fernsehen lief, immer eher medium. Bei Sing meinen Song fand ich das Konzept gut. Da geht es um Musik, der Künstler bekommt eine Plattform ohne Skript. Ob man gut oder schlecht abschneidet, man ist selbst schuld. Das hab ich abgefeiert. Und danach hat Vox dann offenbar gedacht „Wow, was ein authentisch charmanter Typ, dem geben wir direkt noch eine Plattform“. Vielleicht kann man ja in der Fernsehlandschaft auch ein bisschen was verändern. Nur mit Meckern kommt man ja auch nicht weiter.

Und wie geht es jetzt weiter? Mit weiteren Sendungen oder neuer Musik? 

Ach, ich bin ja eher Musiker als Talkmaster. Darauf liegt auch weiter der Schwerpunkt. Durch das Fernsehen hatte ich natürlich eine ganz neue Reichweite. Für die Menschen, die ich bei Sing meinen Song in einer Sendung erreicht habe, hätte ich sechs Jahre lang jeden Tag 2000 Leute bespielen müssen. Dass ich da nicht den nicht Rock-affinen Pur- oder Prinzenfan an die Gitarre umerziehe, ist mir aber auch klar.

Moment mal, Du hast Pur-Sänger Hartmut Engler mit deiner Interpretation zum Weinen gebracht. 

Das hätte ich auch nicht gedacht. Der Text von „Wenn sie diesen Tango hört“ ist ein Monster. Wir hatten da beide eine enorm emotionale Bindung zu und dann ist doch einfach toll, was Musik schaffen kann. Aber: Jetzt habe ich mich auf die Festivals im Sommer gefreut, nächstes Jahr zu meinem Zehnjährigen gibt es eine Feier und dazu wohl auch eine neue Platte.

Festivals sind das Stichwort. Dein letzter Besuch auf dem Flair war 2011.

Das Open Flair ist eines der prägnantesten Festivals, die man so spielen kann. Das ist ein tierisches Ding. OF ist ja auch das Kennzeichen von Offenbach, was direkt neben Frankfurt liegt. Das macht es noch attraktiver. Das Flair hat einfach diesen enorm familiären Touch. Man merkt, dass alles mit Liebe gemacht wird. Nicht zu groß, nicht zu klein. Absolut amtlich. HR3-Bühne ist Chef, ich freu mich.

Freust Du dich, andere Bands zu treffen?

Festivalsaison ist wie Jahresurlaub. Man trifft fast jedes Wochenende befreundete Bands. Ich freu mich zum Beispiel richtig auf Milliarden, die am gleichen Tag spielen und vergangenes Jahr noch unsere Vorband waren. Kann ich nur empfehlen. Fanta 4 sind für jeden, der damit groß geworden ist, ein Highlight. Festivals sind auch eine gute Gelegenheit, mal neue Bands kennenzulernen. Neulich erst haben wir nach einem Festivalgig noch spontan privat einen Tag drangehängt, um Skunk Anansie und Danko Jones anzugucken. Das ist wie ein Klassentreffen mit viel guter Laune.

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