Vergleich zwischen 2015 und 2016

Zahl der Hartz-IV-Bezieher unter Flüchtlingen verdoppelt sich

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Sozialleistungen für EU-Ausländer sollen stark beschränkt werden

Werra-Meißner. Die Zahl der ausländischen Hartz-IV-Empfänger hat sich im Werra-Meißner-Kreis innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Während im August vergangenen Jahres 159 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern Hartz IV erhielten, waren es nach der Flüchtlingswelle 2015 und 2016 im August dieses Jahres bereits 298.

Eine große Zahl von Flüchtlingen im Kreis wartet derzeit noch auf die Anerkennung ihres Asylantrags. Von rund 1000 noch nicht bearbeiteten Asylanträgen (Stand: 31. Juli) hat laut Silke Sennhenn, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Kassel, gut die Hälfte eine hohe Bleibeperspektive, denn die Antragsteller kommen aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Eritrea. Sie würden nach Bewilligung ebenfalls Hartz IV beziehen.

Das Hauptproblem bei der Vermittlung von Flüchtlingen seien nach wie vor mangelhafte Deutschkenntnisse. „Deswegen werden sie erstmal sprachlich fit gemacht“, sagt Sennhenn. Dann müsse überlegt werden, in welche Tätigkeit sie vermittelt werden können. „Nur weil jemand in seinem Heimatland Tischler war, heißt das nicht, dass er hier alle Anforderungen an diesen Beruf erfüllt.“ Es müsse zumindest eine Sachkundeprüfung abgelegt werden.

Wie viele Flüchtlinge im Kreis bereits in Ausbildung, Arbeit und Praktikum vermittelt werden konnten, wird nicht separat erfasst. Aufgrund guter Netzwerkarbeit liege die Integrationsquote laut Sennhenn hessenweit jedoch auf den vorderen Plätzen.

Derzeit erhalten 4798 Menschen Hartz IV. 84 Prozent von ihnen sind Deutsche. Von den 762 Ausländern kommt ein großer Teil (114) aus Ländern der EU-Osterweiterung. Dazu zählen die Länder Rumänien, Bulgarien, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen und Kroatien. Polen (61) und Rumänen (24) bilden darunter die größten Gruppen.

Wartefrist beträgt drei Monate

Gemäß dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten Flüchtlinge in den ersten 15 Monaten neben Sachleistungen eine Form von Taschengeld durch die Kommune: Ein Erwachsener 135 Euro, ein Paar 244, Kinder bis sechs Jahre 79, von sechs bis 13 Jahre 83 Euro. Dies gilt ab dem Status asylsuchend/Asylbewerber.

Die Betreuung erfolgt durch die Arbeitsagentur. Wird über den Asylantrag positiv entschieden, wechselt die Zuständigkeit zum Jobcenter, der Flüchtling erhält Hartz IV. Vor Ablauf einer Wartefrist von drei Monaten darf er nicht arbeiten. Wird der Antrag abgelehnt, wechselt der Status in „geduldet“, die Zuständigkeit bleibt.

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