Immer der Spürnase nach: Zehn Jahre Rettungshundestaffel Werra-Meißner

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„Such’ und hilf!“: Alex Jedenak setzt Jazz, einem Australian Shepherd, für die Vermisstensuche an. Seit zehn Jahren gibt es die Rettungshundestaffel Werra-Meißner. Foto: Wolfram Skupio

Werra-Meißner. Angespannt sondiert Jazz, der Australian-Shepherd-Rüde, das Gelände vor sich, schließlich bleibt sein Blick hängen. Seine Augen fixieren fest die Richtung, die ihm Alex Jedenak neben ihm weist. Kaum hat die das Kommando „Such und hilf!" ausgesprochen, sprintet Jazz los, um genau das zu tun: Suchen und Helfen.

Denn der Australian-Shepherd-Rüde ist ausgebildeter Rettungshund und Teil der Rettungshundestaffel Werra-Meißner. Er ist darauf trainiert, vermisste Menschen im unwegsamen Gelände zu finden. Seiner Rettungshundeführerin Alex zeigt er anschließend den Weg dorthin. Die Hundeführer machen sich dabei die ausgesprochen feine Nase der Vierbeiner zunutze.

„Als ich meine Hündin damals decken ließ, wollte ich etwas Sinnvolles mit den Hunden machen“, erinnert sich Ursula Hoche, die Vorsitzende der Rettungshundestaffel Werra-Meißner. Als eins von acht Gründungsmitgliedern hob sie vor zehn Jahren die Hundestaffel aus der Taufe.

Jazz hat inzwischen die vermisste Frau mehrere hundert Meter entfernt zwischen Gestrüpp und Buschwerk gefunden. Die ist selbst Mitglied in der Rettungshundestaffel und wohlauf, denn es handelte sich nur um eine Trainingssituation für den 19 Monate alten Rüden. Laut bellend verrät Jazz den Helfern den Platz der Vermissten im Unterholz.

Mit unterschiedlichen Methoden führen Rettungshunde die Helfer zur vermissten Person. „Jazz ist beispielsweise ein Verbeller. Er sucht den Vermissten, bleibt dann bei ihm und bellt, um Alex seinen Standort mitzuteilen“, erklärt Ursula Hoche. Andere Hunde haben ein Bringsel um den Hals, was sie ins Maul nehmen, um so ihrem Hundeführer zu zeigen, dass sie fündig geworden sind. Genau wie Frei- oder Rückverweiser führen sie den Helfer dann zum Fundort. Freiverweiser pendeln dabei immer wieder zwischen Hundeführer und vermisster Person, Rückverweiser dagegen führen direkt zum Vermissten.

Weil manche Menschen panische Angst vor Hunden haben, müssen die künftigen Rettungshunde zunächst einmal einen ganz normalen Wesenstest machen. „Der Hund darf den Vermissten auf keinen Fall berühren, wenn er ihn gefunden hat.“ Die Unterordnung des Hundes unter seinen Hundeführer wird später bei der Rettungshundeprüfung abgefragt.

Helfer auf Füßen und Pfoten: 30 Mitglieder hat die Rettungshundestaffel Werra-Meißner. Einmal wöchentlich trainieren die Retter mit ihren Hunden.

„Wir trainieren einmal die Woche. Man bemerkt deutlich, wie die Hunde mit dem Training immer besser werden. Am schönsten ist es, wenn sie im Einsatz dann tatsächlich fündig werden“, sagt Hoche. Selbst Tote haben die Rettungshunde schon gefunden, obwohl sie für die Leichensuche gar nicht ausgebildet werden.

Wer seinen Hund als Rettungshund ausbilden und führen will, muss neben Zeit auch viel Idealismus mitbringen. „Unsere Arbeit ist rein ehrenamtlich. Alles, was wir benötigen, wie etwa Taschenlampen und Funkgeräte, aber auch die Versicherung und den Sprit zum Einsatzort bezahlen wir selbst. Wir sind daher auch auf Spenden angewiesen“, berichtet Hoche. Interessierte Hundehalter sind herzlich zum Training eingeladen.

Zwischen zwölf und 24 Einsätze hat die Staffel jährlich, eingesetzt wird der, der Zeit hat. Denn einen Anspruch auf Freistellung vom Arbeitsplatz gibt es - wie auch bei der Freiwilligen Feuerwehr - nicht.

Von Wolfram Skupio

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