Interview: Walter Schäfer sieht sich als Übergangs-Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes

Mit Zwang funktioniert es nicht

Feuerwehrmann aus Leidenschaft: Seit kurzem ist der 65-jährige Walter Schäfer aus Frankershausen Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Werra-Meißner. Foto: Salewski

Eschwege. Ende April wurde der Frankenhainer Walter Schäfer zum neuen Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes gewählt. Dieter Salzmann sprach mit ihm über Risiken und Zukunftschancen der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis.

Herr Schäfer, Sie sind seit Ende April neuer Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, Sie haben sich selbst als Übergangslösung bezeichnet. Warum?

Walter Schäfer: Einmal, weil man mit 65 Jahren nicht antritt, um bei der nächsten Wahl noch einmal anzutreten. Auf der anderen Seite sehe ich es als Aufgabe an, dass wir in den nächsten zwei Jahren ein zukunftsfähiges Konzept entwickeln, um überhaupt jemanden zu finden, der bereit ist, so ein Amt zu übernehmen. Denn wenn es weiter so gemacht wird, wie bisher mit vier bis fünf Terminen an jedem Wochenende, finden wir keine Leute mehr.

Dem Verband hätte womöglich die Auflösung gedroht, wenn sich kein neuer Vorsitzender gefunden hätte. War das ein Grund, weshalb Sie angetreten sind?

Schäfer: Der Kreisfeuerwehrverband ist ein eingetragener Verein und der wird zwangsaufgelöst, wenn er über einen längeren Zeitraum keinen Vorsitzenden hat.

Sie haben gesagt, der Verband muss zukunftsfähig gemacht werden. Wie soll das aussehen?

Schäfer: Wir brauchen ein Team von Verantwortlichen, auf das die Aufgaben verteilt wird. Es funktioniert nicht, wenn es nur einen gibt, der alles macht und sich die ganze Arbeit aufhalst. Es gibt Beispiele, wo das ganz gut funktioniert, zum Beispiel beim Sportkreis Werra-Meißner. Wenn die Arbeit so verteilt wird, dass es für keinen zuviel wird, finden wir auch wieder Leute, die das übernehmen. Wir erarbeiten derzeit eine Geschäftsordnung mit einer anderen Aufgabenverteilung als bisher und werden uns auch mit einer Aktualisierung der Satzung des Verbandes beschäftigen.

Den Wehren gehen vielerorts die Leute aus. Haben Sie dagegen ein Rezept?

Schäfer: Ich kann mich noch daran erinnern, wie die Spritze per Hand durch das Dorf gezogen wurde. Damals hatten wir viele Leute und wenig Material. Heute ist es genau umgekehrt. Die Antwort, die wir vor 40 Jahren für dieses Problem gefunden haben, ist die gleiche, die auch heute gilt: Wir haben Feuerwehren bei größeren Einsätzen zusammengezogen. Das müssen wir auch jetzt tun. Außerdem haben wir den Arbeitskreis Zukunft der Feuerwehr ins Leben gerufen, der sich mit der Problematik beschäftigen soll.

Wie könnte eine Zusammenlegung von Feuerwehren praktisch aussehen?

Schäfer: Da gibt es verschiedene Modelle. Es ist zum Beispiel technisch möglich, Wehren aufzulösen, und alle kommen zu einer zentralen Feuerwehr. Dies scheitert aber in der Regel daran, dass die Einsatzkräfte dazu nicht bereit sind und die Zahl der Kräfte dann abnimmt. Eine andere Möglichkeit wäre es, kleineren Ortsteilfeuerwehren mit einer zu geringen Zahl an Einsatzkräften einen Mannschaftstransportwagen zur Verfügung zu stellen. Die kommen dann beim Einsatz hinzu. Das heißt, die Wehren bleiben erhalten. Dadurch bleibt die Feuerwehr in den Orten auch als Identifikationsfaktor bestehen. Eines ist aber klar: Eine zwangsweise Zusammenlegung, die von oben angeordnet wird, wird scheitern.

Ein Problem ist auch, dass viele Feuerwehrleute zwar im Ort wohnen, aber ganz woanders arbeiten und deshalb tagsüber die Einsatzbereitschaft gefährdet ist.

Schäfer: Das ist richtig. Hier müssen örtlich Modelle erarbeitet werden, zum Beispiel durch den Einsatz auch am Arbeitsort. Es ist aber auch zu bedenken, dass durch eine bessere Materialausstattung der Wehren weniger Menschen gebraucht werden. Außerdem sind die Feuerwehrleute heute sehr gut ausgebildet, auch das macht etwas aus. Sehen Sie sich an, mit wie wenigen Menschen die Berufsfeuerwehr ihre Einsätze leisten.

Wäre denn eine Berufsfeuerwehr eine Alternative?

Schäfer: Das ist finanziell nicht leistbar.

Feuerwehrleute müssen von ihrem Arbeitgeber freigestellt werden. Bereitet das den Wehren Probleme?

Schäfer: Das ist örtlich unterschiedlich. Ich wollte das Thema schon länger angehen. Die Feuerwehren müssen auf die Firmen zugehen und um ihr Verständnis werben, damit Mitarbeiter für Einsätze und Lehrgänge freigestellt werden können. Der Arbeitsausfall wird ja von der Gemeinde oder vom Land Hessen übernommen. Die Firmen haben dadurch keinen finanziellen Nachteil. Trotzdem ist es in vielen Firmen nicht gern gesehen, oft aber auch aus Unkenntnis über die Strukturen. Und dem wollen wir entgegentreten.

Überall klagen die Feuerwehren über fehlenden Nachwuchs und die allgemeine Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Was kann man dagegen tun?

Schäfer: Das ist schwierig. Auf jeden Fall müssen wir das Image der Feuerwehren verbessern und attraktiver werden. Das Interesse an der Feuerwehr hat nachgelassen. Das hängt damit zusammen, dass den Jugendlichen heute sehr viel mehr Alternativen geboten werden, da ist die Feuerwehr nur noch eine von mehreren. Außerdem bleibt Schülern neben der Schule kaum noch Zeit, sich gleich in mehreren Vereinen zu engagieren. Wir müssen den Bürgern auch klarmachen, dass es nicht darum geht Spaß an der Sache zu haben, wie es bei anderen Vereinsaktivitäten der Fall ist, sondern dass sonst niemand da ist der zum Beispiel einen Verletzten aus dem Autowrack holt oder den Wohnungsbrand löscht. Denn eine allzeit bereite Berufsfeuerwehr gibt es bei uns nicht.

Von Dieter Salzmann

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