Einmalig in Nordhessen: Kleine Reiherart brütet erstmals seit 1951 wieder in Eschwege

Zwergdommel ist zurück

Brütet in einer verschilften Bucht am Werratalsee: Die Zwergdommel galt bis vor Kurzem noch als ausgestorben in Hessen. Foto: Fotocommunity

Eschwege/Schwebda. Erstmals seit vielen Jahren wurde in diesem Sommer am Werratalsee bei Eschwege wieder eine Zwergdommel beobachtet. Dieser extrem seltene Reihervogel galt noch bis vor Kurzem in Hessen als ausgestorben. Im Juli und August 2014 gelangen aber dann gleich zwei Beobachtungen an einer stillen, verschilften Bucht am Werratalsee, die auf ein besetztes Brutrevier hinweisen.

Diese Zwergdommeln sind die einzigen, die dieses Jahr in Nordhessen beobachtet wurden. Für das übrige Hessen wurden nur aus der Wetterau (nördlich Frankfurt) zwei weitere Beobachtungen gemeldet.

Die Zwergdommel ist die kleinste europäische Reiherart und wird mit einer Körpergröße von bis zu 35 Zentimetern kaum größer als etwa ein Eichelhäher. Als Zugvogel ist sie ein sogenannter Langstreckenzieher, der südlich der Sahara in Zentral- und Südafrika überwintert. „Natürlich sind die Vögel auf diesem langen Zugweg auch erheblichen Gefahren ausgesetzt“, sagt Dr. Jörg Brauneis, der die Entdeckungen dokumentierte. Die Zwergdommel ist - wie die meisten Reiher - ein Lauerjäger, der von kleinen Fischen und Amphibien, aber auch Würmern und Insekten lebt.

Im unmittelbaren Stadtgebiet von Eschwege hat die Zwergdommel zuletzt 1951 gebrütet, und zwar an einem verschilften Teich, der damals der Eschweger Brauerei zur Eisgewinnung diente. Der Eisteich der Brauerei wurde später für den Bau der Jugendherberge zugeschüttet.

„Die Ansiedlung der Zwergdommel am Werratalsee zeigt, welche Bedeutung der Werratalsee als Lebensraum für bedrohte Vogelarten erlangt hat“, sagt Brauneis. Sie zeige aber auch, dass die touristische Nutzung des Sees und der Schutz der freilebenden Tiere durchaus vereinbar sind. (red)

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