Von Kamm-Molchen und Gelbbauchunken

Noch kein Urteil zu Weiterbau der A44: Von Kamm-Molchen und Gelbbauchunken

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A44-Weiterbau vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig: Am Mittwoch gab es noch kein Urteil.

Leipzig. Mit immensen Personaleinsatz hat am Mittwochmorgen die Verhandlung über den A 44-Abschnitt zwischen Waldkappel und Hoheneiche vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig begonnen. Ein Urteil wird es heute noch nicht geben.

Aktualisiert um 16.30 Uhr.

Die Verhandlung wird am morgigen Donnerstag fortgestzt. Auch dann ist keine Entscheidung zu erwarten. Der Vorsitzende Richter des 9. Senats, Dr. Wolfgang Bier, sagte gegenüber der HNA, das Gericht müsse erst beraten. Er werde einen Verkündungstermin bekanntgeben.

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Zum Prozess hat das Land Hessen 37 Anwälte, Beamte und Gutachter aufgeboten. Die klagende Umweltschutzorganisation BUND ist mit elf Anwälten und Experten vertreten.

Der Prozessauftakt wurde von knapp 100 Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis verfolgt, die sich für den Bau der A 44 einsetzen. Sie wurden vom Vorsitzenden Richter Dr. Wolfgang Bier herzlich begrüßt: "Wir entscheiden ja im Namen des Volkes, und da ist es schön, dass so viele Zuhörer gekommen sind."

Gelbbauchunke.

Dr. Wolfgang Bier erinnerte daran, dass sich das Bundesverwaltungsgericht schon mehrfach mit der A 44 beschäftigt habe. Dabei habe man den Zielen des Baus - Lückenschluss zwischen Kassel und Eisenach, Stärkung der Infrastruktur in Nordhessen - stets zugestimmt. Diskutiert wurde dann vor allem eine Maßnahme des Regierungspräsidiums, die schon Jahre zurückliegt. Um Kamm-Molche und Gelbbauchunken vor künftigen Bauarbeiten und der Autobahn zu schützen, sperrte man sie aus einem Teil des FFH-Gebiets Trimmberg bei Reichensachsen aus. Im Jahr 2006 wurde ein Amphibienschutzzaun errichtet.

Gleichzeitig wurde ein neues Winterquartier für die Tiere angelegt - es werde gut angenommen, sagt das Land Hessen. Beim BUND glaubt man das nicht: Würde der Zaun verschwinden, würden die Tiere in ihr altes Gebiet zurückkehren. Konter vom Land: Da eine Kamm-Molchgeneration ein Alter vom etwa sechs Jahren erreicht, wüssten die heutigen Tiere gar nicht mehr, wo sie eigentlich herkommen. Richter Dr. Wolfgang Bier erklärte, es gehe rechtlich nicht um den Erhalt von Flächen, sondern um den Erhalt der Population.

Fotos: Gerichtstermin zum A44-Weiterbau

Gerichtstermin zum A44-Weiterbau am Bundesverwaltungsgericht Leipzig

Wenn die Kamm-Molche also weiterbestehen bleiben, sei sozusagen alles in Ordnung. Außerdem, so der Vorsitzende des 9. Senats, könne es sein, dass die Frage der Ausgrenzung der Kamm-Molche gar nicht "entscheidungsrelevant" für die Autobahn sei. Der Gesprächsbedarf sei dennoch insgesamt groß.

Das Land Hessen gab am Mittwochmittag eine Prozesserklärung ab: Danach wird in den Planfeststellungbeschluss fürdie A 44 ein Passus für die Gelbbauchunke aufgenommen: Ihr Bestand soll bis zum Ende der Bauarbeiten jährlich kontrolliert werden. Falls sich die Population negativ entwickle, würden neue Lebensräume für die Kröte angelegt. (tho)

Quelle: HNA

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