Abgestürzt „wie ein Stein“: Ursachenforschung nach tödlichem Flugunfall

Wrackteile des bei Breitscheid im Westerwald abgestürzten Tragschraubers im Unterholz. Foto: dpa

Breitscheid. Nach dem Absturz eines Leichtflugzeugs, bei dem am Wochenende im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis zwei Menschen starben, ist die Ursache weiterhin unklar.

Bei seiner missglückten Landung war der hubschrauberähnliche Tragschrauber am Samstag nahe Breitscheid nach Angaben der Polizei „wie ein Stein“ aus etwa 100 Metern Höhe zu Boden gestürzt.

Die Wrackteile des Tragschraubers sollen jetzt bei der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) auf mögliche technische Mängel untersucht werden. Dieses Gutachten brauchen Polizei und Staatsanwaltschaft, um bei den Ermittlungen mögliche andere Unfallursachen wie Pilotenfehler ausschließen zu können.

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- Link zur Tragschrauber-Absturzgeschichte

Über die tödlich verunglückten Insassen ist so viel bekannt: Der 59-jährige Pilot, mit einem 26-jährigen Fluggast unterwegs, war nach Angaben der Polizei sehr erfahren und hat weltweit 9500 Flugstunden hinter sich. Er flog auch Airbus-Großraumflugzeuge sowie Hilfsflüge im asiatischen Tsunami-Gebiet.

In der Region war der Absturz eines Tragschraubers am 7. August 2009 ähnlich tragisch geendet: Unweit der Burg Plesse bei Bovenden (Kreis Göttingen) war damals ein Leichtflugzeug in den Wald gestürzt - Pilot und Fluggast starben. Fazit der BfU Anfang 2010: Der Pilot sei bei der Umrundung der Burgruine mit großer Wahrscheinlichkeit von der tief stehenden Abendsonne geblendet worden und habe einen Baumwipfel gestreift. Dass der Tragschrauber zudem „massiv überladen“ und so in seiner Leistung eingeschränkt war, führte die BfU außerdem an.

Die BfU hat in den letzten Jahren etliche Tragschrauberabstürze untersucht. Rückschlüsse auf generelle Risiken des Fluggeräts lassen sich daraus nicht ziehen. Die tatsächlich geflogenen Stunden, hieß es auf Anfrage der HNA, die für Vergleiche nötig wären, „werden nirgends erfasst“.

Tragschrauber sind juristisch gesehen Luftsportgeräte, die ihre Verkehrszulassung vom Ultraleichtflugverband DULV und vom Deutschen Aero Club DAeC bekommen: 324 der Kleinflugzeuge hatten Ende 2010 deutschlandweit eine Zulassung - fast achtmal so viele wie 2005. Zum Piloten können sich schon 16-Jährige ausbilden lassen. Die Lizenz gibt es frühestens mit 17. „Fußgänger“, wie völlig Flugunerfahrene beim DULV heißen, dürfen nach 60 Stunden Theorie und 30 Flugstunden mit 150 Starts und Landungen zur Prüfung antreten. (wrk)

Quelle: HNA

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