Agrarreform: EU will Artenvielfalt retten – Bauern fürchten Flächenstilllegungen

Angst vor Öko-Zwang

Ein Rapsfeld in voller Blüte: Hessen Landwirte, fürchten einen Teil ihrer ohnehin schon knappen Flächen aus ökologischen Gründen stilllegen zu müssen. Archivfoto: dpa

Wiesbaden. Täglich gehen in Hessen vier bis fünf Hektar Boden verloren, weil er bebaut werde, klagt Hessens Bauernpräsident Friedhelm Schneider. In ganz Deutschland sind es laut Bundesagraministerin Ilse Aigner (CSU) täglich 100 Hektar. Nun fordere die EU auch noch die Stilllegung von sieben Prozent der Flächen, die dringend zum Nahrungsmittelanbau gebraucht würden, so Schneider kürzlich bei der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen in Gernsheim.

Gefahr durch Intensivanbau

Er spielte dabei auf die Agrarreform der EU an, mit der die landwirtschaftliche Förderung ab 2014 neu strukturiert werden soll. Ziel ist das sogenannte Greening, das vorsieht, einen Teil der Direktzahlungen an die Landwirte an ökologische Leistungen zu koppeln. So soll die Artenvielfalt geschützt werden, die durch die Begleiterscheinungen der intensiven Landwirtschaft gefährdet wird.

Schneider sprach dagegen in Gernsheim von „Zwangsökologisierung“ und auch Hessens Agrarstaatssekretär Mark Weinmeister (CDU) mutmaßte, dass die EU-Vorschläge die Bauern überforderten.

Martin Häusling, Europa-Abgeordneter der Grünen aus Bad Zwesten und von Hause aus Biobauer, ärgert sich über den Begriff Stilllegung. „Es geht darum, dass bisher nicht genutzte Flächen wie Waldstreifen, Brachflächen und Grasstreifen einbezogen werden.“ Für diese Flächen gebe es bisher noch kein Geld, nach der Reform würden sie gefördert, wenn sie gepflegt würden. „Da kann man Blühstreifen anlegen oder auf einem breiteren Streifen auf die Spritze verzichten.“ Der Deutsche Bauernverband argumentiert allerdings, dass die meisten Landwirte gar nicht so viele dieser Flächen hätten, um auf die Sieben-Prozent-Quote zu kommen.

Noch sei allerdings nichts entschieden, sagt Häusling. Das Europäische Parlament müsse über die Vorschläge von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos diskutieren. Häusling könnte auch mit dem Alternativvorschlag der deutschen Agrarminister leben, darunter Hessens Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU). Er sieht vor, 15 Prozent der Fläche mit Eiweißpflanzen wie Klee, Erbsen, Ackerbohnen und ähnlichem zu bepflanzen. Das hätte den Vorteil, dass nicht mehr wie bisher 80 Prozent Eiweißpflanzen, in der Regel Soja, als Futtermittel aus Südamerika importiert werden müssten.

Feldlerche schützen

Häusling weiß, dass das für den Landwirt teurer würde, „aber Bauern bekommen nicht Geld von der EU, weil sie Bauern sind, sondern für ihre Arbeit im Sinne der Gemeinschaft.“ Wer das nicht wolle, müsse eben auf die Zahlungen verzichten. Laut Häusling liegen sie in Hessen im Durchschnitt bei 20 000 bis 30 000 Euro.

„Wir können anderen Ländern nicht Vorträge über die ökologische Qualität ihrer Urwälder halten, wenn wir selbst nicht einmal in der Lage sind, die Feldlerche zu schützen.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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